Winterlinge

Wir haben vor einer Woche die Gartensaison eröffnet – obwohl noch kein wirklich gutes Gartenwetter ist: meist ist es kalt und regnerisch. Trotzdem habe wir  losgelegt: Wir haben kiloweise altes Laub und abgestorbene Staudenblätter von den Beeten entfernt und dabei Schneeglöckchen, Krokusse, Traubenhyazinthen und Hyazinthen freigelegt, die sich unter der schützenden Schicht schon hervorgewagt haben.

Nach Winterlingen suche ich dagegen auch in diesem Jahr vergeblich. Ich mag die kleinen gelben Blüten, die sich aber offenbar doch nicht so leicht vermehren lassen, wie es auf diversen Gartenseiten im Internet zu lesen ist.

Dass die Knollen, die ich im letzten Jahr gepflanzt habe,  nicht überlebt haben, bedaure ich sehr: Ich habe die sie im vergangenen Jahr von einer Freundin geschenkt bekommen, die ein paar Monate später gestorben ist. Aber vielleicht fahre ich in den nächsten Tagen bei ihrem Mann vorbei – das wollte ich ohnehin – und frage ihn, ob ich mir demnächst ein paar Pflänzchen ausgraben darf, quasi als blühendes Andenken.

Ein paar Winterlinge habe ich schon im Gartencenter gekauft – und sie  just zu der Zeit gepflanzt, als in meinem Heimatort eine frühere Nachbarin beerdigt wurde. Ihre Eltern hatten eine Gärtnerei; auch sie hatte einen grünen Daumen: In ihrem Wintergarten wuchsen wie in einem richtigen Gewächshaus auch Gemüse, Salat und Kräuter. Die Gurken hingen vom Dach hinunter – und sie haben ebenso wie die Tomaten viel besser geschmeckt als ihre Verwandten aus niederländischen Gewächshäusern.

Zur Beerdigung konnte ich leider nicht  an die Mosel fahren – und so habe ich mich mit der kleinen Pflanzaktion von meiner früheren Nachbarin verabschiedet. In den nächsten Jahren wird mich hoffentlich ein gelber Blütenteppich  an sie und meine verstorbene Freundin erinnern. Die beiden sind sich nie begegnet,  für mich sind sie aber trotzdem untrennbar miteinander verbunden – nicht nur, weil beide jahrelang gegen den Krebs gekämpft und dann doch verloren haben.

Als ich meine Freundin im vergangenen Mai in dem Krankenhaus besuchte, in dem sie ein paar Tage später sterben sollte, rief mich eine Freundin aus meinem Heimatort an und sagte mir, dass die Tochter jener Nachbarin gestorben sei: an der Krankheit, gegen die ihre Mutter seit Jahren kämpfte. Die Tochter war nicht einmal 50, als sie starb; ich kannte sie, seit sie ein Kind war. Das Schicksal ist manchmal wirklich ein mieser Verräter.

Diesmal zur Weihnachtszeit

Morgen ist der vierte Advent, und auch in diesem Jahr sieht unser Adventskranz  ein paar Tage vor Weihnachten noch aus wie neu. Er ist so grün wie am ersten Adventssonntag und er nadelt kaum.

Wer schön sein und jung aussehen will, muss bekanntlich leiden. Diese Weisheit aus dem menschlichen Leben gilt wohl auch für Adventskränze. Und so muss unser armer Adventskranz  einiges erdulden, um sein jugendliches Aussehen zu bewahren.  Mein Mann taucht ihn regelmäßig in unsere Regenwassertonne, damit er frisch bleibt. Außerdem verbannt er ihn während der Woche aus dem gemütlich warmen Wohnzimmer in den sehr kühlen, weil ungeheizten Wintergarten. Erst zu Beginn des Wochenendes  holt er den Kranz für zwei Tage aus seinem kühlen Exil hervor – und ab dem vierten Advent  darf er dann im Wohnzimmer bleiben. Ob er sich darüber freut? Oder ob er ahnt, dass seine Zeit  unaufhaltsam zu Ende geht?  Denn nach Weihnachten braucht niemand mehr einen Adventskranz  – auch wenn er noch so gut erhalten ist. Und bis zum nächsten Advent hält ein echter Adventskranz auch bei bester Pflege nicht durch.

 

Draußen im Garten blühen – passend zur Jahreszeit – die Christrosen in Weiß und in Zartrosa. Die letzte richtige Rose ist dagegen fast verblüht – die Rosenzeit ist ja eigenlich schon längst vorbei.

 

Die Himbeere scheint dagegen völlig aus der Zeit gefallen – sie trägt ihre Früchte in diesem Jahr zur Weihnachtszeit. Vielleicht liegt es daran, dass wir den Strauch erst im Frühsommer gepflanzt haben und er seinen Rhythmus noch nicht gefunden hat. Vielleicht profitiert er auch von dem sehr geschützten Standort auf der Südseite des Hauses, direkt neben den Wintergarten.

Das schlechte Wetter und auch die frostigen Nächte im November haben den Früchten, so scheint es, nichts ausgemacht. Sie sind trotzdem rot und reif geworden, können geerntet und gegessen werden. Und zumindest die Farben – Rot und Grün – passen zur (Vor-)Weihnachtszeit.

Von Sukkulenten, Drachenbäumen und echten und falschen Rosen

Im Winter macht unser Wintergarten seinem Namen alle Ehre. Er wird zum Indoor-Garten, gehört den Pflanzen, die sich dort noch wohlfühlen, auch wenn es uns Menschen schon lange zu kalt geworden ist. Selbst Zitruspflanzen und Oliven, eigentlich in südlicheren, sprich wärmeren Gefilden  heimisch, machen einstellige Temperaturen offenbar nichts aus.

Auch die Sukkulente, die wir vor einigen Jahren als winzigen Ableger bekommen haben, gedeiht prächtig. Inzwischen sprengt sie fast ihren Topf – und hat im Sommer für reichlich Nachwuchs gesorgt. Wie die Pflanze heißt, habe ich immer noch nicht herausgefunden: Ist es ein Pachyphytum (Dickstamm), ein Aeonium oder gehört sie vielleicht doch zur Familie der Anacampseros? Über Hinweise freue ich mich.

Drei Generationen unter einem Dach

Die beiden Drachenbäume kränkeln dagegen – vielleicht ist ihnen zu kalt, obwohl der Winter bislang eher einem langen Herbst gleicht. Unter 16 Grad sollte die Raumtemperatur nicht sinken, empfehlen diverse Gartenseiten im Internet, die ich zu Rate ziehe. Im Wintergarten herrschen derzeit nur einstellige Temperaturen.

Der Drachenbaum kränkelt im kühlen Wintergarten …

Die vergangenen Winter haben die Drachen heil überstanden – doch jetzt werden die Blätter braun und fallen ab. Möglicherweise reagieren alte Pflanzen ebenso wie alte Menschen empfindlicher auf Kälte. Als bekennende Frostbeule kann ich das nachfühlen und gewähre den Drachenbäumen bis Mitte Februar Asyl im Haus. Dann steigt die Sonne schon vormittags wieder über das Nachbarhaus und sorgt im Wintergarten für angenehme Temperaturen – wenn sie denn scheint.

Spätestens dann werde ich auch die Schneerose auswildern, die unsere Nachbarn uns zu Weihnachten geschenkt haben. Zuerst wollte ich ihr die frostigen Nächte ersparen, jetzt ist es mir meist zu nass und ungemütlich, um auch nur kurz  im Garten zu arbeiten. Außerdem freue ich mich an ihren weißen Blüten, wann immer ich in den Wintergarten gehe oder hineinsehe.

… die Christrose blüht dagegen auf.

Immerhin habe ich schon einen Platz für die Schneerose ausgesucht. Sie zieht in unser Erdbeer-Rosen-Beet, obwohl  sie – trotz des Namens – botanisch ein Hahnenfußgewächs ist. Doch die meisten ihrer Nachbarn sind ebenfalls keine echten Rosen: Stockrosen (bot. Alcea) zählen zu den Malvengewächsen, die Pfingstrosen bilden eine eigene Gattung (Paeonia).

Ob echte oder falsche Rose: Mit den Erdbeeren verstehen sie sich alle gleichermaßen gut.

Same procedure every Herbst

Alle Jahre wieder, kurz bevor die Uhren Ende Oktober wieder umgestellt werden, endet auch für unsere Zimmerpflanzen die Sommerzeit: Sie kehren aus der Sommerfrische auf der Terrasse in den Wintergarten zurück, wo sie unterm schützenden Glasdach die kalten Monate verbringen.

Vom Garten …

Dass sie eng zusammenrücken und in Reih und Glied stehen müssen, ist für die Einzelgänger unter ihnen  sicher weniger schön, aber besser als kalte Füße und abgefrorene Blätter ist es allemal. Denn Sanseveria, Zitrus, Olive, Strelizie und Co vertragen eben keine niedrigen Temperaturen.

… in den Wintergarten

Einige Pflanzen bekommen bei der Gelegenheit einen neuen Topf, weil sie dem alten entwachsen sind. Die Sanseveria gedeiht besonders prächtig: Sie ist Anfang vergangenen Jahres bei uns eingezogen ist, als meine Mutter aus ihrem Haus in das Altenheim im Nachbarort gezogen ist. Damals habe ich die Pflanze geteilt und nur einen von fünf Ablegern behalten (https://timetoflyblog.com/2018/02/19/nachrichten-aus-dem-winter-garten/).

Der ist groß geworden und hat für weiteren Nachwuchs gesorgt – so sind inzwischen zwei weitere Ableger in den Harz gezogen. Auch in unserem Haus sanseveriat es jetzt in fast allen Zimmern und das ist gut so. Denn der Bogenhanf soll einer Studie zufolge Schadstoffe aus der Luft filtern und auch nachts bei Dunkelheit noch Sauerstoff abgeben. Dass sie pflegeleicht sind, spricht ebenfalls für die Pflanzen. So haben sie es nicht übel genommen, dass sie nach heftigen Regenfällen knöcheltief im Wasser gestanden haben, obwohl als ehemalige Wüstenpflanze ja eher Trockenheit mögen.

Auch die Pflanze, deren Namen ich nicht kenne, hat sich ihrer neuen Heimat in unserem (Winter)Garten hervorragend angepasst. Wir haben vor ein paar Jahren einen kleinen Ableger mit aus Spanien gebracht. Der erste Topf ist längst zu klein – und inzwischen sind sie zu viert.

Meine Vogeltränke hat den Umzug indes nicht überlebt: Sie ist mir beim Reinigen aus der Hand geglitten; der Boden ist zersprungen. Die grünen Frösche auf der Umrandung sind glücklicherweise heil geblieben. Sie umhegen jetzt den blauen Enzian, dem es offenbar schwer fällt, sich einzugewöhnen. Im Beet nebenan blühen die Rosen immer noch und die lila Krokusse wieder. Von ihren gelben Verwandten zeigt sich dagegen im Herbst kein einziger.

Auch die Gaultheria schaut unterm Herbstlaub hervor und erinnert mich daran, dass Weihnachten naht (Gut, beim Einkauf im Supermarkt ist es ohnehin nicht zu übersehen). Bald werde ich mir wieder neue Gaultherias fürs Haus kaufen, denn ich mag ihre dunkelgrünen Blätter und die leuchtend roten Scheinbeeren. Leider halten sie es im Haus nicht lange aus: Es ist ihnen zu warm und vielleicht vermissen sie die frische Luft. Deshalb werde ich sie nach ein paar Wochen wie ihre Artgenossen im vergangenen Jahr auswildern, damit sie ein bisschen Farbe in den winterlich grauen Garten bringen.