Blütenpracht

Chaosgärtnerinnen proudly present: die neuesten Blüten von der Fensterbank und aus dem Wintergarten, die unterschiedlicher kaum sein könnten: prachtvoll die einen, eher unscheinbar, aber nicht weniger schön die anderen.

Die beiden Blüten der Strelitzie sind groß und farbenprächtig – und nicht zu übersehen. Sie erinnern wirklich an die bunten Vögel, denen die Strelitzia reginae ihre deutschen Namen verdankt: Papageien- oder Paradiesvogelblume.

Wie der rosa blühende Kaktus in meinem Arbeitszimmer heißt, weiß ich nicht. Ich vermute, dass er zur Familie der Mammillaria gehört, was netter klingt als die deutsche Bezeichnung Warzenkakteen. Etwa 180 Mitglieder soll diese Großfamilie haben,  die damit zu den artenreichsten Gattungen der Kakteengewächse zählt (https://www.pflanzenfreunde.com/lexika/kakteen/mammillaria.htm). Ursprünglich stammen die Mammillarias aus Mexiko, wie sie von dort auf meine Fensterbank gekommen sind, weiß ich nicht. Ich glaube mich zu erinnern, dass meine Tochter den Kaktus irgendwann gekauft und bei uns zurückgelassen hat, als sie ausgezogen ist.

Von meiner Schwiegermutter stammt die wohl älteste Zimmerpflanze im Haus: Der Osterkaktus ist mit seiner Tochter oder der jüngeren Schwester vor ziemlich genau 30 Jahren, nach dem Tod meiner Schwiegermutter, bei uns eingezogen. Er blüht alle Jahre wieder, auch wenn seine Kraft nachlässt. Jedes Jahr sind es weniger und kleinere Blüten, die Blätter sind nicht mehr so grün und prall wie bei seinen jüngeren Verwandten, sondern verholzen. Aber mir gefällt er: Ich finde, er altert in Würde.

Die beiden Kiwis – eine männliche und eine weibliche – sind erst im vergangenen Sommer zu uns gekommen und über Winter groß geworden. Jetzt blüht die Kiwi-Dame und die vielen beigen Blüten lassen auf reiche Ernte im Sommer hoffen. Wenn die Eisheiligen in gut einem Monat vorbei sind, werden sie und ihr Gefährte wieder nach draußen ziehen. Wir werden sie in aus ihren Töpfen in das kleine Beet an der Terrasse umpflanzen und ernten dann die Früchte für unser Müsli jeden Morgen ganz frisch. Neben den Kiwis sind dann  auch Erd-, Stachel- und Himbeeren in Pflückweite.

Auch Rip van Winkle wartet im Wintergarten auf wärmere Tage. Meine Tochter hat meinen Blogbeitrag über die verschwundene Narzisse gelesen und mir neue geschenkt. Vielen Dank dafür. Diesmal sind es gleich sieben Zwiebeln, die ich einpflanzen kann – und ich hoffe, dass sie spätestens im nächsten Jahr genauso aufblühen wie der Kaktus meiner Tochter auf meiner Fensterbank.

Sie müssen draußen bleiben

Unser Wintergarten macht seinem Namen zurzeit alle Ehre: Auch wenn die Sonne scheint, ist es draußen derzeit noch recht kühl. Unter und hinter dem schützenden Glas zeigt das Thermometer dagegen mittags, wenn die Sonne um das Haus der Nachbarn herumgewandert ist,  oft 30 Grad und mehr – gerade richtig für eine Frostbeule wie mich. Vor allem in der Übergangszeit, also im (Vor)frühling und im Herbst, sitze ich gerne dort; der Wintergarten wird von Februar bis November zum Lese-, Schreib-, Arbeits-, Ess- und Wohnzimmer.

Auch die Pflanzen fühlen sich pudelwohl: Die Strelitzie wird bald blühen, die beiden Kiwis haben den Winter gut überstanden und sind schon jetzt größer als im vergangenen Herbst. Und auch meine Zitronenverbene wird wieder grün und duftet intensiv, wenn man an ihren Blättern reibt.

 

Der Osterkaktus, den wir aus einem Ableger großgezogen haben, wirft gerade die letzten rosa Blüten ab. Doch an den Blättern zeigen sich schon wieder kleine Knospen – er blüht diesmal wohl nicht nur zur Weihnachtszeit, sondern auch, nomen est omen, an Ostern. Seine Mutter oder Tante trägt dagegen rot, wie die Knospen verraten.

Noch ist es im Wintergarten ein wenig eng, aber Anfang Mai, wenn die Eisheiligen vorbei sind, ziehen die meisten Pflanzen und der Mosaik-Tisch wieder auf die Terrasse.

Die Orangen- und Zitronenbäumchen müssen schon heute raus in die Kälte. Denn auf ihnen tummeln sich schon wieder die Blattläuse: Sie stechen die  Pflanzen an und zapfen ihnen einen zuckerhaltige Saft ab. Der wiederum lockt die Ameisen an: Sie melken die Läuse, kneifen ihnen in den Hintern, damit sie einen süßen Nektar, den sogenannten Honigtau, ausscheiden. Damit ernähren sich die Ameisen und füttern ihre Brut.

Das dürfen sie gerne tun, aber bitte draußen, im Garten oder auch auf der Terrasse: In unserem Wintergarten sind Ameisen ebenso wie Blattläuse unerwünscht. Sie müssen draußen bleiben.

Grünes Erbe

Die Orchidee auf meiner Fensterbank versetzt mich zweimal im Jahr in Erstaunen. Das ist natürlich nicht besonders schwer, weil ich mich ja mit Pflanzen im Allgemeinen und Orchideen im Besonderen nicht sonderlich gut auskenne.

Ich habe nur eine einzige Orchidee – und ich weiß nicht einmal genau, wie sie heißt. Ich glaube, es ist eine Schmetterlingsorchidee. Ich hatte sie meiner Mutter kurz vor ihrem Tod geschenkt, weil sie – anders als ich – Orchideen sehr mochte. Als meine Mutter gestorben war, habe ich die Pflanze mit nach Hause genommen; wider Erwarten hat sie die Strapazen des doppelten Umzugs überstanden. Die Orchidee ist widerstandsfähiger, als ich vermutet habe – und erstaunlich pflegeleicht. Ich gebe ihr regelmäßig zu trinken und sorge dafür, dass sie keine nassen Füße hat. Dass Orchideen  das nicht mögen, weiß ich von meiner Mutter.

Sonst beachte ich die Adoptiv-Orchidee wenig, aber vielleicht  gefällt ihr gerade das: Nach einer australisch-neuseeländischen Studie sind Pflanzen extrem berührungsempfindlich; es kannn ihr Wachstum erheblich verzögern, wenn sie ständig berührt  werden.

Viel gewachsen ist die  Orchidee auf meiner Fensterbank zwar nicht, aber kurz vor dem Geburtstag meines Vaters Ende November hat sie wie in den vergangenen beiden Jahren Blüten bekommen. Ein zweites Mal, und das ist für Orchideen keinesfalls selbstverständlich, blüht sie dann im Mai auf, gerade rechtzeitig zum Geburtstag meiner Mutter. Das ist wahrscheinlich Zufall und entspricht wohl ihrem natürlichen Blührhythmus, aber ich freue mich doch jedes Mal darüber. Es ist für mich ein Zeichen, dass sie sich bei mir wohl  fühlt.

Eine anderes blühendes Erbe schwächelt in diesem Jahr – zum ersten Mal seit mehr als drei Jahrzehnten: Als wir die Wohnung meiner Schwiegermutter nach ihrem Tod vor fast 35 Jahren auflösten, haben wir zwei Osterkakteen mitgenommen. Sie waren sicher schon damals  nicht mehr die jüngsten, aber sie haben sich bei uns gut eingelebt.

Eine der beiden Hatiora-Hybriden blühte seither trotz des Namens immer zur Weihnachtszeit, die andere, wie es sich für einen Osterkaktus gehört, an Ostern. Doch in diesem Jahr tragen die beiden keine einzige Blüte. Doch auf die weihnachtliche Blütenpracht müssen wir trotzdem nicht verzichten: Ein Ableger, den wir vor einigen Jahren unter einem Drachenbaum eingepflanzt haben, blüht genauso üppig wie seine Mutter oder Tante es bislang immer getan hat.

Auch die Sansevieria, die ich von meiner Mutter geerbt habe, vermehrt sich prächtig – nicht nur bei mir in Burgwedel. Ein Ableger ist nach Bad Harzburg, ein anderer nach Bruchsal gezogen. Von dort wandert ein Teil des Bogenhanfs jetzt über den Rhein – zurück nach Rheinland-Pfalz: Fast drei Jahre, nachdem die alte Pflanze mit meiner Mutter  Neumagen verlassen hat, findet der Ableger des Ablegers jetzt in Neustadt eine neue Heimat.

Vom Garten in den Wintergarten

Ein Blick aufs Smartphone heute Morgen und ein weiterer aus dem Fenster aufs Garagendach des Nachbarn haben mir’s verraten: Es ist für die Zimmerpflanzen höchste Zeit, wieder umzuziehen. Eigentlich hätte ich sie gerne noch ein bisschen auf der Terrasse gelassen. Denn das Ende der Sommerfrische bedeutet nicht nur Arbeit für mich, sondern auch, dass es Winter wird

Zumindest einige Pflanzen dürfen schon zurück ins Haus beziehungsweise in den Wintergarten: die Sukkulenten beispielsweise, deren pralle Blätter Temperaturen unter null wahrscheinlich schlecht vertragen, und die kleineren Pflanzen, die ich bequem alleine reinigen und transportieren kann.

Die beiden kleinen Aloe Vera sind in der Sommerfrische gut gewachsen

Die großen Pflanzen, zum Beispiel  Strelitzie, Olive und die meisten Zitronenbäume, müssen dagegen warten, bis mein Mann wieder aus dem hohen Norden zurück ist. Sie sind mir einfach zu schwer oder zu unhandlich. Sollte es in den nächsten Nächten noch kälter werden, bekommen sie eine Haube, die sie hoffentlich vor Minusgraden schützt.

Sie müssen noch draußen bleiben: Olive und Strelitzie

Die Zitronenverbene und der Ananassalbei, die wegen ihres Dufts zu meinen Lieblingen gehören, haben dagegen schon einen frostsicheren Platz im Wintergarten. Und auch unsere beiden Seniorinnen durften schon ins Warme. Wie alt die beiden Osterkakteen sind, wissen wir nicht; wir können es nur ahnen. Wir haben sie nach dem Tod meiner Schwiegermutter vor fast 35 Jahren bei uns aufgenommen – und schon damals waren sie nicht mehr die Jüngsten. Doch es scheint ihnen bei uns zu gefallen. Denn sie blühen jedes Jahr so üppig, dass sie danach völlig entkräftet sind. Jedes Jahr  fürchten wir, dass dieses Mal bestimmt ihr letztes Mal war. Doch immer haben sie uns eines Besseren belehrt und sich nach einer mehrwöchigen Schwächephase wieder erholt.

In all den Jahren haben die beiden übrigens noch nie zur gleichen Zeit geblüht – so, als wollten sie sich keine Konkurrenz machen. Die eine zeigt ihre Blüten immer zu Ostern, wie es sich für einen Osterkaktus gehört, die andere blüht immer um die Weihnachtszeit. Ich habe diesen Osterkaktus daher bislang immer für einen Weihnachtskaktus (Schlumbergera) gehalten. Doch bei der Recherche für diesen Blogbeitrag habe ich gelernt, dass die Blütezeit überhaupt keine Rolle spielt. Entscheidend für die Familienzugehörigkeit ist die Blattform, und die – oval, nicht gezackt – beweist ganz klar, dass beide Schwestern sind und zur Gattung Hatoria gehören. Weihnachtskakteen haben nämlich gezähnte Sprossglieder.

Familie Osterkaktus: Mutter (vorne), Tochter (hinten) und der jüngste Sproß links.

Eine Tochter bzw. Nichte der beiden hat sich unter dem Drachenbaum angesiedelt. Sie ist im Sommer ziemlich groß geworden und wird den Blütenreigen wohl bald eröffnen – vielleicht im Advent. Denn an den Blattspitzen zeigen sich schon  viele kleine Knospen. Und auch eine neue Generation wächst heran. Als ich den Klee entfernt und ein bisschen Erde in den Topf gefüllt habe, ist ein Trieb abgebrochen. Ich habe ihn ins Wasser gesteckt und hoffe, dass der Steckling Wurzeln schlägt.

Frühling im Wintergarten

Wenn es draußen grünt und blüht, erwachen auch die  Pflanzen im Wintergarten aus dem Winterschlaf und zeigen sich von ihrer schönsten Seite.

Die beiden ersten Blüten der Strelitzie haben sich geöffnet und machen ihrem Beinamen Paradiesvogelblume alle Ehre. Wie richtige Vögel recken sie ihre Köpfe empor, scheinen sich neugierig nach ihren Mitbewohnern umzusehen.

Das Zitronenbäumchen blüht und trägt gleichzeitig Früchte. Die sind zwar groß wie „richtige“ Zitronen, aber leider ungenießbar. Dafür verbreiten die Blüten im ganzen Haus einen Hauch von Zitronenduft.

Der Osterkaktus und sein zur Weihnachtszeit blühender Bruder versetzen mich alle Jahre wieder in Erstaunen. Sie sind die Senioren unter unseren Pflanzen. Wir haben sie vor fast 30 Jahren von meiner Schwiegermutter geerbt – inzwischen haben sie schon zahlreiche Kinder und Enkel. Einige Blätter sind im Laufe der ergraut, wirken fast wie versteinert.  Doch jedes Jahr blühen sie üppig – der eine zu Ostern, der andere ein halbes Jahr später zur Weihnachtszeit. Danach wirken sie so ausgelaugt, dass ich um ihr Leben fürchte. Schließlich sie sind nicht mehr die Jüngsten. Doch sie sind zäh – trotzen dem Alter: Im Laufe des Jahres erholen sie sich und bilden neue Knospen – jeder rechtzeitig zu „seinem“ Fest,