Ziergarten mit Nutzeffekt

Die Corona-Krise verstärkt angeblich den Trend zum Gärtnern und zur Selbstversorgung.  Bei mir nicht:  Ich lese zugegebenerweise nach wie vor lieber im Garten, als darin zu arbeiten.  Ich habe nicht den Ehrgeiz, meine Mahlzeiten selbst anzubauen. Und ich werde unseren Rasen nicht in einen Kartoffelacker oder einen Nutzgarten verwandeln. Unser Garten ist  ein Ziergarten – und das bleibt auch so. Aber ein bisschen mehr Nutzen als bisher darf‘s schon sein.

Ein Kräuterbeet mit Rosmarin, Salbei, Zitronenmelisse und Lavendel

Kräuter gibt es in unserem Garten zuhauf. Allerdings vor allem, weil sie so gut riechen – ja ich bin bekennender Duftfreak. Auf dem Teller landet leider nur ein kleiner Teil, obwohl ich es mir jedes Jahr aufs Neue vornehme. So habe ich es auch in diesem Jahr  wieder nicht geschafft, den Bärlauch zu Öl, Pesto oder Brot zu verarbeiten, bevor er anfing zu blühen – und ungenießbar wurde.

Dagegen wandern die Beeren – Heidel- Stachel-, Erd-, Johannis- und Brombeeren – wenn sie reif sind meist direkt ins Müsli und in den Mund. Aus Sauerkirschen und Trauben kochen wir Marmelade bzw. Gelee. Die meisten Früchte überlassen wir allerdings den Vögeln, manche Sträucher wie Weißdorn, Kornelkirsche und Holunder haben wir eigens für sie gepflanzt. Doch zum Dank beschimpfen sie uns wüst, wenn wir in den Garten kommen und sie bei der Ernte stören.

Der Bärlauch blüht schon – und kann nicht mehr verarbeitet werden.

Tomaten pflanzen wir schon seit Jahren – sie schmecken einfach besser als die gekauften. Im vergangenen Jahr habe ich zum ersten Mal neben Cherry- und Cocktailtomaten auch Sorten mit größeren Früchten ausprobiert – trotz des nicht optimalen Standorts im Halbschatten mit Erfolg. In diesem Jahr bekommen die Tomaten einen Platz auf der sonnigeren Terrasse. Es käme mir allerdings nicht in den Sinn, die Pflanzen aus Samen zu ziehen. Sie zu säen, zu pikieren und zu hegen und pflegen, bis sie dem Babyalter entwachsen sind, ist mir einfach zu mühsam. Das versucht mein Mann in diesem Jahr zum ersten Mal.

Die ersten Pflänzchen haben sich prächtig entwickelt und sind wie   Gurken, Zucchinis und Radieschen schon aus der Pflanzschale im Wintergarten ins Beet bzw. auf die Terrasse umgezogen.

Aus dem Anzuchttopf im Wintergarten ins Beet. Der Umzug ist den Zucchinis gut bekommen.

Das im Herbst angelegte Hochbeet hat sich bewährt und uns im Winter leckeren Feldsalat und Spinat beschert. Deshalb haben wir jetzt noch ein zweites angelegt und nutzen die sonnige Terrasse als seniorengerechten Hochgarten. Möhren habe ich schon gesät, in den nächsten Tagen sollen noch Kohlrabi, Postelein, Mangold und Rucola folgen.

Hoch- und Kräuterbeet

Rucola ist eine Pflanze ganz nach meinem Geschmack: Sie ist anspruchslos und pflegeleicht; ich mag den Geruch und esse sie gerne – wegen des sehr intensiven Geschmacks allerdings nur in kleineren Mengen. Lose gibt es Rauke in den Läden im Ort eigentlich nie; wenn ich eine Packung kaufe, welkt meist ein (großer) Teil dahin, bevor ich ihn aufbrauchen kann.

Selbst pflanzen ist da weit nachhaltiger. Mit dem Pflänzchen, das ich vor drei Jahren gesetzt habe, konnten wir drei Jahre lang unseren Rucola-Bedarf aus dem eigenen Garten decken – garantiert frisch und ungespritzt. Denn es hat  sich wundersam vermehrt, im ganzen Garten ausgebreitet und auch unsere Terrasse in ein Rucolafeld verwandelt. Im vergangenen Jahr konnte ich schon Anfang April den ersten Rucola auf der Terrasse ernten https://timetoflyblog.com/gartenerkenntnisse. Doch in diesem Jahr halte ich vergeblich Ausschau – und werde für Nachschub sorgen.

Wieder im Einsatz ist seit Kurzem auch der Komposter. In den vergangenen Jahren haben wir unsere Grünabfälle in der grünen Tonne entsorgt, die hier in der Region ein grüner Sack ist. Jetzt kompostieren wir wieder selbst und können demnächst die Hochbeete mit eigener Erde auffüllen – oder ein weiteres befüllen.

Einen neuen Ort zum Lesen und Entspannen gibt es im Garten auch: In der Schaukel im Apfelbaum kann ich nach getaner Arbeit die Seele baumeln, sprich schaukeln lassen. Aber manchmal schaukle ich zugegebenerweise auch statt zu arbeiten.

Foto: Utz Schmidtko

Von Un- und anderen Kräutern

Böse Zungen behaupten, dass bei mir nur die Pflanzen überleben, die auch den härtesten Bedingungen trotzen, die also auch ohne (meine) Pflege überleben würden. Wie jedes gute Gerücht hat auch dieses einen wahren Kern. Dass ich keinen grünen Daumen und kein gutes Gedächtnis für Pflanzen habe, ist kein Geheimnis.

Trotz meiner anerkannten Florasthenie ist unser Garten keineswegs öd und leer. Das liegt sicher auch daran, dass ich – meine Grün-Schwäche kennend – überwiegend Pflanzen kaufe und ansiedle, die robust sind und schnell heimisch werden. Waldmeister zum Beispiel oder auch Bärlauch, die nicht nur in der wilden Ecke am Teich, sondern auch  im Schatten des Apfelbaums gut gedeihen. Auch andere Kräuter – z. B. Minze (mindestens vier verschiedene Arten), Salbei (drei Arten), Zitronenmelisse, -thymian und -verbene – fühlen sich bei mir sehr wohl. Das ist gut so, denn die Zuneigung beruht auf Gegenseitigkeit. Ich liebe duftende Kräuter. Und Rauke habe ich zum (Fr)Essen gern.

Bärlauch ...
Bitte nicht verwechseln: Bärlauch …

Außerdem habe ich ein Faible für Wiesen- und Feldblumen, die in meiner Kindheit überall gewachsen sind und teilweise als Unkraut galten: Maiglöckchen, Mohn, Fingerhut, Glockenblumen, Akelei und Stockrosen sind bei mir willkommen und dürfen sich  ausbreiten.

… und Maiglöckchen

Dreimasterblumen, Topinambur, Bergastern und Beinwell weise ich dagegen wegen ihres einnehmenden Wesens gelegentlich in die Schranken – sprich, ich reiße sie aus, wenn sie alle Pflanzen neben sich zu überwuchern drohen. Das tue ich nicht gerne, denn ich mag ihre Blüten. Und Grenzen zu ziehen fällt mir auch im richtigen Leben nicht leicht. Aber vielleicht lerne ich im Garten ja etwas fürs Leben.

Gespannt bin ich, was demnächst in dem Beet am Zaun wächst: Dort werde ich, wenn mit der kalten Sophie die letzte Eisheilige vorbei ist, Samen von 30 Blumensorten aussäen, die gerne von Bienen angeflogen werden. Ob ich damit die Bienen rette, weiß ich nicht. Für alle Fälle habe ich für sie  und andere Insekten ein kleines Hotel eröffnet – mit Blick aufs Wasser

Ich habe zwar keinen grünen Daumen, aber ein blindes Huhn findet ja bekanntlich auch gelegentlich ein Korn. Und so bin ich stolz auf einige Pflanzen wie Rittersporn oder Pfingstrosen,  die eher als Diven gelten. Die Pfingstrosen blühen in diesem Jahr zum ersten Mal, sie duften aber leider nicht. Das ist bei meiner Lieblingsrose anders: Rhapsody in Blue hat meine Schnittversuche offenbar überstanden und sehr viele Knospen. In einigen Wochen wird sie duften und blühen – allerdings  nicht blau, sondern in meine Lieblingsfarbe lila.

Pfingstrosen und Rosen