Gartenblicke Juni

Sommer. Die längsten Tage des Jahres sind leider schon vorbei, doch noch merkt man es nicht. Die Sommerblumen blühen, so kommt es mir vor, so schön wie selten. Vor allem Fingerhüte und Glockenblumen vermehren sich von selbst – im Rosenbeet …

… und auch an den Teichen, die jetzt aus diesem Blickwinkel nicht mehr zu sehen sind. Selbst der Leuchtturm, immerhin über einen Meter hoch, verschwindet hinter der Blütenpracht. Im nächsten Jahr wird die wilde Ecke wohl noch wilder. Denn der Nachbar hat zwei große Tannen gefällt, die den Hecken das Licht genommen haben und mit ihren herabfallenden Nadeln selbst den Pflanzen das Leben schwer gemacht haben, die im Schatten recht gut gedeihen: Waldmeister und Bärlauch zum Beispiel. Und vielleicht blühen im nächsten Frühjahr dann endlich auch die Maiglöckchen, die ich dort gesetzt habe.

Auch der Lesezwerg versinkt zwischen verblühten Blaukissen und Giersch. Er vermisst die blauen Blüten nicht, kann er sich doch mit Lavendel, Rosen, Mohn, Fingerhut und Dreimasterbumen trösten.

In den Hochbeeten wächst manches, doch nicht unbedingt das, was ich gesät habe. Eine Möhre habe ich noch nicht gesehen, dafür macht sich  der Rainfarn breit, der wohl mit der erde ins Hochbeet gekommen ist; Der Rettich hat zwar große Blätter, doch die Wurzeln sind noch winzig, ebenso die Erbsen, doch eigentlich mag ich ja ohnehin die Schoten lieber. Und ob es sich bei den rot geäderten  Blättern um Mangold oder um Rote Beete handelt, vermag ich nicht zu sagen. Gesät habe ich beides und essbar sind wohl auch beide.Ich werde also abwarten – und vielleicht einen Zitronenmelissentee trinken. Die Zitronenmelisse wuchert am Rand der Terrasse so, dass es selbst mir, bekennender Zitronenmelissenduftfan, zu viel wird. Ich werde einen Teil ausgraben; vielleicht darf sie in Foes Garten weiterwachsen.

Sorgen bereitet mir nach wie vor die Eberesche, die in diesem Jahr nur wenige Blätter und auch nur wenige Beeren hat. Schade dass der Specht sich nichts aus den Tierchen macht, die sich unter der Rinde seines Vermieters breit machen.

Gartenblick April

Die Kräuterfrau hatte recht: Der Waldmeister, den ich vermisst habe, ist wieder da. Er wächst hinterm Teich in diesem Jahr zwar nicht so üppig wie in den vergangenen, doch er wächst: Womit bewiesen wäre, dass man im Garten manchmal nur abwarten muss. Oder wie es in Sambia heißt: Das Gras – respektive der Waldmeister – wächst nicht schneller, wenn man daran zieht.

Am Zaun hinterm Teich ist es momentan ein bisschen kahl. Dort habe ich am Wochenende die Zweige der Gewöhnlichen Schneebeere, die bei uns Knallerbsenstrauch heißt, weggeschnitten. Denn sie überwuchern Felsenbirne, Weißdorn, Holunder und Co, die eigentlich zu einer dichten Vogelschutzhecke zusammenwachsen sollen. Noch tun sie sich schwer, vielleicht hilft es ihnen, dass ich ihnen ein bisschen Luft verschafft habe.

Die beiden kleinen Teiche sind bald nicht mehr zu sehen; sie verstecken sich hinter den Pflanzen am Ufer. Sumpfdotterblume und Beinwell blühen schon eine ganze Zeit, Lilien und Akelei brauchen dagegen noch eine Weile, ebenso die Pfingstrosen, die den Umzug aus dem Harz gut verkraftet haben und sogar kleine Knospen haben.

Apropos Pfingstrosen: Sie haben sich jahrelang in meinem Garten schwer getan, mehrere Pflanzen sind eingegangen. Doch in diesem Jahr gedeihen nicht nur alle vier Ableger aus dem Harz prächtig, sondern auch die beiden Pfingstrosen, die schon länger hier zu Hause sind.

Die größere der beiden steht im Rosenbeet, aus dem ich hunderte Krokusse ausgegraben habe. Sie haben sich im Winter zu stark vermehrt; die Erdbeeren am Rand des Beets waren ganz unter ihnen verschwunden. Jetzt erholen sie sich und blühen. Ich hoffe auf reiche Ernte, auch von den Walderdbeeren, die ich am Wochenende ins Beet am Zaun gepflanzt habe. Unterm Apfelbaum ist es für Erdbeeren eigentlich zu schattig. Doch Walderdbeeren haben ja eigentlich gelernt, im Schatten großer Bäume zu (über)leben.

Das Blaukissen blüht immer noch. Es wächst so hoch, dass der lesende Zwerg fast darin verschwindet. Im Schutz des Blütenteppichs streckt eine Rose ihre Triebe aus. Leider nicht meine Lieblingsrose, die duftende Rhaspsody in blue, sondern ihre nicht duftende Beetgenossin.

Mein Lieblingsbaum, die Eberesche, blüht und wird langsam grün,

und auch die beiden Reben, die zwischen beiden Terrassen wachsen, haben schon Blätter. Bis sie blühen, vergehen noch ein paar Wochen. Vor ein paar Tagen habe ich Karotten, Zuckererbsen, Roten Rüben und Pastinaken in die beiden Hochbeete gesät, Ringelblumen und Kamille in das Kräuterbeet am Rande der Terrasse. Dort möchte ich noch Ananassalbei, Currykraut, Zitronenthymian und Liebstöckel pflanzen. Wahrscheinlich Ende der Woche, wenn ich auf dem Markt Pflanzen kaufen konnte – bei der Kräuterfrau, die mich immer so gut berät.

Ziergarten mit Nutzeffekt

Die Corona-Krise verstärkt angeblich den Trend zum Gärtnern und zur Selbstversorgung.  Bei mir nicht:  Ich lese zugegebenerweise nach wie vor lieber im Garten, als darin zu arbeiten.  Ich habe nicht den Ehrgeiz, meine Mahlzeiten selbst anzubauen. Und ich werde unseren Rasen nicht in einen Kartoffelacker oder einen Nutzgarten verwandeln. Unser Garten ist  ein Ziergarten – und das bleibt auch so. Aber ein bisschen mehr Nutzen als bisher darf‘s schon sein.

Ein Kräuterbeet mit Rosmarin, Salbei, Zitronenmelisse und Lavendel

Kräuter gibt es in unserem Garten zuhauf. Allerdings vor allem, weil sie so gut riechen – ja ich bin bekennender Duftfreak. Auf dem Teller landet leider nur ein kleiner Teil, obwohl ich es mir jedes Jahr aufs Neue vornehme. So habe ich es auch in diesem Jahr  wieder nicht geschafft, den Bärlauch zu Öl, Pesto oder Brot zu verarbeiten, bevor er anfing zu blühen – und ungenießbar wurde.

Dagegen wandern die Beeren – Heidel- Stachel-, Erd-, Johannis- und Brombeeren – wenn sie reif sind meist direkt ins Müsli und in den Mund. Aus Sauerkirschen und Trauben kochen wir Marmelade bzw. Gelee. Die meisten Früchte überlassen wir allerdings den Vögeln, manche Sträucher wie Weißdorn, Kornelkirsche und Holunder haben wir eigens für sie gepflanzt. Doch zum Dank beschimpfen sie uns wüst, wenn wir in den Garten kommen und sie bei der Ernte stören.

Der Bärlauch blüht schon – und kann nicht mehr verarbeitet werden.

Tomaten pflanzen wir schon seit Jahren – sie schmecken einfach besser als die gekauften. Im vergangenen Jahr habe ich zum ersten Mal neben Cherry- und Cocktailtomaten auch Sorten mit größeren Früchten ausprobiert – trotz des nicht optimalen Standorts im Halbschatten mit Erfolg. In diesem Jahr bekommen die Tomaten einen Platz auf der sonnigeren Terrasse. Es käme mir allerdings nicht in den Sinn, die Pflanzen aus Samen zu ziehen. Sie zu säen, zu pikieren und zu hegen und pflegen, bis sie dem Babyalter entwachsen sind, ist mir einfach zu mühsam. Das versucht mein Mann in diesem Jahr zum ersten Mal.

Die ersten Pflänzchen haben sich prächtig entwickelt und sind wie   Gurken, Zucchinis und Radieschen schon aus der Pflanzschale im Wintergarten ins Beet bzw. auf die Terrasse umgezogen.

Aus dem Anzuchttopf im Wintergarten ins Beet. Der Umzug ist den Zucchinis gut bekommen.

Das im Herbst angelegte Hochbeet hat sich bewährt und uns im Winter leckeren Feldsalat und Spinat beschert. Deshalb haben wir jetzt noch ein zweites angelegt und nutzen die sonnige Terrasse als seniorengerechten Hochgarten. Möhren habe ich schon gesät, in den nächsten Tagen sollen noch Kohlrabi, Postelein, Mangold und Rucola folgen.

Hoch- und Kräuterbeet

Rucola ist eine Pflanze ganz nach meinem Geschmack: Sie ist anspruchslos und pflegeleicht; ich mag den Geruch und esse sie gerne – wegen des sehr intensiven Geschmacks allerdings nur in kleineren Mengen. Lose gibt es Rauke in den Läden im Ort eigentlich nie; wenn ich eine Packung kaufe, welkt meist ein (großer) Teil dahin, bevor ich ihn aufbrauchen kann.

Selbst pflanzen ist da weit nachhaltiger. Mit dem Pflänzchen, das ich vor drei Jahren gesetzt habe, konnten wir drei Jahre lang unseren Rucola-Bedarf aus dem eigenen Garten decken – garantiert frisch und ungespritzt. Denn es hat  sich wundersam vermehrt, im ganzen Garten ausgebreitet und auch unsere Terrasse in ein Rucolafeld verwandelt. Im vergangenen Jahr konnte ich schon Anfang April den ersten Rucola auf der Terrasse ernten https://timetoflyblog.com/gartenerkenntnisse. Doch in diesem Jahr halte ich vergeblich Ausschau – und werde für Nachschub sorgen.

Wieder im Einsatz ist seit Kurzem auch der Komposter. In den vergangenen Jahren haben wir unsere Grünabfälle in der grünen Tonne entsorgt, die hier in der Region ein grüner Sack ist. Jetzt kompostieren wir wieder selbst und können demnächst die Hochbeete mit eigener Erde auffüllen – oder ein weiteres befüllen.

Einen neuen Ort zum Lesen und Entspannen gibt es im Garten auch: In der Schaukel im Apfelbaum kann ich nach getaner Arbeit die Seele baumeln, sprich schaukeln lassen. Aber manchmal schaukle ich zugegebenerweise auch statt zu arbeiten.

Foto: Utz Schmidtko