Die Farbe Lila

Lila ist meine Lieblingsfarbe, und so ist es sicher nicht kein Zufall, wenn in unserem Garten derzeit Lila in den verschiedensten Nuancen dominiert.

Denn wenn immer ich bei neuen Pflanzen die Wahl habe, entscheide ich mich für eine aus dem Pink-lila-Farbspektrum. Beim Storchenschnabel zum Beispiel, bei der Hecken- oder bei der Künstlerrose, die mir nicht nur wegen ihres Dufts, sondern auch wegen der interessanten Farbkombination gefallen hat. Mein absoluter Rosenliebling ist und bleibt aber Rhapsody in Blue, anders als der Name es sagt, nicht blau, sondern lila blüht und ebenfalls wunderschön duftet.

Auch Lavendel steht auf der Liste unserer Lieblingspflanzen weit oben – und wächst deshalb überall in unserem Garten. Irgendwann im Sommer werde ich die Blüten pflücken, zu kleinen Sträußchen zusammenbinden und in den Zimmern verteilen oder in kleine Säckchen abfüllen, damit der Duft die Motten abschreckt.

Strauchbasilikum, Schnittlauch und Salbei blühen nicht nur lila, sondern landen auch auf unseren Tellern oder in unseren Tassen.

Das empfiehlt sich beim Fingerhut nicht, denn der ist leider giftig. Schon zwei bis drei getrocknete Blätter können für Erwachsene tödlich sein, bei Kindern genügen schon kleinere Mengen. Als unsere Tochter klein war und oft Kinder in unserem Garten spielten, haben wir die Fingerhüte aus unserem Garten verbannt. Das haben sie uns sehr übel genommen und es hat zweieinhalb Jahrzehnte gedauert, bis sie wieder zurückgekehrt sind. Doch jetzt fühlen sie sich hier sehr wohl, sind gern gesehen und dürfen bleiben, ebenso wie die Dreimasterblume. Deren einnehmendes Wesen zwingt mich zwar manchmal , ihrer Expansion Einhalt zu gebieten. Doch missen möchte ich sie in meiner Sinfonie in Lila nicht.

PS: Beim Nachdenken über diesen Blogbeitrag kam mir der Roman von Alice Walker in den Sinn, den ich schon lange wieder einmal lesen wollte. Das habe ich getan, und wie vor Jahren hat mich auch diesmal die Geschichte von Celie in ihren Bann gezogen. Auch den Essayband „Auf der Suche nach den Gärten unserer Mütter/Beim Schreiben der Farbe Lila“, der schon lange in meinem Regal steht, habe ich endlich gelesen. Seither denke ich, überzeugte Feministin, über einen Satz im Vorwort nach: „Womanist (ein Begriff, der für Alice Walker offenbar programmatische Bedeutung hat) ist im Vergleich zu feministisch wie lila zu lavendel.“ Mir gefällt beides.

Von Männlein im Garten und anderen roten Früchten

Kein Sommer mehr, aber auch noch nicht richtig Herbst. Die Farben im Garten verändern sich: Vom Frühjahr bis zum Sommer dominiert in unserem Garten die Farbe Lila in den verschiedensten Nuancen, jetzt gibt es nur noch einzelne rote Farbkleckse, passend zum Laub, das sich allmählich bunt färbt, bevor es braun wird.

Die Beeren der Eberesche zum Beispiel,

 

oder des Sommers letzte Rose, die ich schon in den Gartenblicken im August gezeigt habe

Ihre Schwestern in den anderen Beeten blühen längst nicht mehr, sondern tragen schon Hagebutten, die echte Rose vor dem Wintergarten ebenso

wie die Heckenrose am Teich, hinter der der  Leuchtturm roter Sand fast verschwindet wie einst Dornröschens Schloss im Märchen.

August Heinrich Hoffmann von Fallersleben hat den roten Früchten ein Kinderlied gewidmet. Dass viele das Männlein, das mit seinem „purpurrothen Mäntelein“ „ganz still und stumm“ im Walde steht, irrtümlich für einen Fliegenpilz halten, ist nicht verwunderlich. Denn allein stehen die Hagebutten bei uns und auch anderswo nicht. Im Gegenteil, es gibt in diesem Jahr besonders viele. Ich könnte sie ernten und daraus Tee aufbrühen. Aber ich zögere, weil ich Hagebuttentee hasse, seit ich ihn bei der einzigen „Kur“ meines Lebens trinken musste. Damals war ich acht oder zehn – seither habe ich Hagebuttentee  gemieden. Vielleicht gebe ich ihm jetzt eine neue Chance. Oder ich koche zum ersten Mal in meinem Leben Hagebuttenmarmelade, die sehr lecker schmecken soll.

Die Trauben werden wir gewiss zu Gelee verarbeiten – die roten ebenso wie die weißen, nach einem Rezept, das wir von der Bekannten bekommen haben. Sie wurde wie ich an der Mosel geboren, kennen gelernt haben wir uns im Harz, wo sie jetzt wohnt und einen wunderschönen Garten hat.

Im Hochbeet hoffen die letzten Tomaten auf ein paar schöne Tage; wenn das Wetter nicht mitspielt, ernten wir sie grün und lassen sie in der Küche in einem dunklen Gefäß reifen und erröten.

Der Lesezwerg wird auch diesen Herbst und Winter draußen verbringen. Seine Kleidung ist im Laufe der Jahre abgeblättert – er ist nackt, bis auf die rote Zipfelmütze, die zwischen verwelktem Blaukissen, Giersch und Rosenablegern hervorblitzt. Was er liest, verrät er nicht, vielleicht ja die Gedichte von Hoffmann von Fallersleben.

Übrigens: Daran, dass Hoffmann von Fallersleben mit seinem Lied wirklich die Hagebutte meinte, besteht kein Zweifel: Er hat laut Wikipedia das Rätsel Jahre später in einer Extra-Strophe aufgelöst:

„Das Männlein dort auf Einem Bein,
Mit seinem rothen Mäntelein
Und seinem schwarzen Käppelein,
Kann nur die Hagebutte sein.“

Die Strophe wird  auf ausdrücklichen Wunsch des Dichters nur gesprochen – und kommt auch in Engelbert Humperdincks Oper Hänsel und Gretel nicht vor. Hoffmann von Fallersleben war auch nicht der erste, der die Hagebutte besungen hat: Schon in einem Retherbüchlein (Rätselbuch) aus dem 16. Jahrhundert ist sie Wikipedia zufolge des Rätsels Lösung. https://de.wikipedia.org/wiki/Ein_M%C3%A4nnlein_steht_im_Walde

Gartenblicke im Mai

Jetzt ist der Mai schon fast wieder vorbei, der Sommer gefühlt da. In unserem Garten grünt und blüht es  – und wenn man ein paar Tage nicht hinschaut, wächst einem so manches über den Kopf. Dem Lesezwerg zum Beispiel Giersch und Blaukissen, doch das stört ihn ja bekanntlich nicht, weil er so in sein Buch versunken ist.

Von den beiden Teichen ist nichts mehr zu sehen, und auch der Leuchtturm Roter Sand verschwindet allmählich. Die Iris haben sich Zeit gelassen, dafür blühen sie diesmal gleich in drei Farben – in Gelb, Hellgelb und Lila. Die Heckenrose hinterm Teich hat in diesem Jahr zum ersten Mal mehrere Blüten – leider keine duftenden.

Die Rosen im Rosenbeet – eine echte Rose und ihre „falschen“ Namenscousinen Pfingst- und Stockrose – sind noch nicht so weit. Die Pfingstrose, die zur Familie der Paenonien zählt, wird das Rennen um die erste Blüte wohl gewinnen – die Knospen sind schon sehr dick. Und vielleicht macht sie ja ihrem Namen alle Ehre und blüht an Pfingsten auf. Die Erdbeeren blühen noch und tragen auch schon Früchte – die allerdings noch klein und grün sind.

Die Reben auf der Terrasse werden wohl erst in ein oder zwei Wochen blühen. In Neumagen, dem Ort, in dem ich geboren bin und lange gelebt habe, wurde früher das Weinblütenfest gefeiert – und zwar Mitte Juni. Hoch im Norden, also in der Nähe von Hannover, beginnt die Blüte meist noch später als an der Mosel.

Dagegen ist die Eberesche schon verblüht, doch mein Lieblingsbaum bereitet mir ein bisschen Sorgen. Denn sie wirkt in diesem Jahr recht kahl, will nicht so recht grün werden. Eigentlich sind Ebereschen ja robust, aber im Internet lese ich, dass Pilze wie Schwefelporling oder Baumschwamm können ihnen zusetzen. Ich werde den Baum in den nächsten Wochen beobachten. Denn wenn man die Pilze frühzeitig entdeckt, kann man sie gut bekämpfen. Werden sie zu spät entdeckt, ist der Baum unrettbar verloren. Ich werde mit dem  Specht am Baum sprechen: Vielleicht kann ja auch er ein bisschen auf seinen Gastgeber achten.