Ziergarten mit Nutzeffekt

Die Corona-Krise verstärkt angeblich den Trend zum Gärtnern und zur Selbstversorgung.  Bei mir nicht:  Ich lese zugegebenerweise nach wie vor lieber im Garten, als darin zu arbeiten.  Ich habe nicht den Ehrgeiz, meine Mahlzeiten selbst anzubauen. Und ich werde unseren Rasen nicht in einen Kartoffelacker oder einen Nutzgarten verwandeln. Unser Garten ist  ein Ziergarten – und das bleibt auch so. Aber ein bisschen mehr Nutzen als bisher darf‘s schon sein.

Ein Kräuterbeet mit Rosmarin, Salbei, Zitronenmelisse und Lavendel

Kräuter gibt es in unserem Garten zuhauf. Allerdings vor allem, weil sie so gut riechen – ja ich bin bekennender Duftfreak. Auf dem Teller landet leider nur ein kleiner Teil, obwohl ich es mir jedes Jahr aufs Neue vornehme. So habe ich es auch in diesem Jahr  wieder nicht geschafft, den Bärlauch zu Öl, Pesto oder Brot zu verarbeiten, bevor er anfing zu blühen – und ungenießbar wurde.

Dagegen wandern die Beeren – Heidel- Stachel-, Erd-, Johannis- und Brombeeren – wenn sie reif sind meist direkt ins Müsli und in den Mund. Aus Sauerkirschen und Trauben kochen wir Marmelade bzw. Gelee. Die meisten Früchte überlassen wir allerdings den Vögeln, manche Sträucher wie Weißdorn, Kornelkirsche und Holunder haben wir eigens für sie gepflanzt. Doch zum Dank beschimpfen sie uns wüst, wenn wir in den Garten kommen und sie bei der Ernte stören.

Der Bärlauch blüht schon – und kann nicht mehr verarbeitet werden.

Tomaten pflanzen wir schon seit Jahren – sie schmecken einfach besser als die gekauften. Im vergangenen Jahr habe ich zum ersten Mal neben Cherry- und Cocktailtomaten auch Sorten mit größeren Früchten ausprobiert – trotz des nicht optimalen Standorts im Halbschatten mit Erfolg. In diesem Jahr bekommen die Tomaten einen Platz auf der sonnigeren Terrasse. Es käme mir allerdings nicht in den Sinn, die Pflanzen aus Samen zu ziehen. Sie zu säen, zu pikieren und zu hegen und pflegen, bis sie dem Babyalter entwachsen sind, ist mir einfach zu mühsam. Das versucht mein Mann in diesem Jahr zum ersten Mal.

Die ersten Pflänzchen haben sich prächtig entwickelt und sind wie   Gurken, Zucchinis und Radieschen schon aus der Pflanzschale im Wintergarten ins Beet bzw. auf die Terrasse umgezogen.

Aus dem Anzuchttopf im Wintergarten ins Beet. Der Umzug ist den Zucchinis gut bekommen.

Das im Herbst angelegte Hochbeet hat sich bewährt und uns im Winter leckeren Feldsalat und Spinat beschert. Deshalb haben wir jetzt noch ein zweites angelegt und nutzen die sonnige Terrasse als seniorengerechten Hochgarten. Möhren habe ich schon gesät, in den nächsten Tagen sollen noch Kohlrabi, Postelein, Mangold und Rucola folgen.

Hoch- und Kräuterbeet

Rucola ist eine Pflanze ganz nach meinem Geschmack: Sie ist anspruchslos und pflegeleicht; ich mag den Geruch und esse sie gerne – wegen des sehr intensiven Geschmacks allerdings nur in kleineren Mengen. Lose gibt es Rauke in den Läden im Ort eigentlich nie; wenn ich eine Packung kaufe, welkt meist ein (großer) Teil dahin, bevor ich ihn aufbrauchen kann.

Selbst pflanzen ist da weit nachhaltiger. Mit dem Pflänzchen, das ich vor drei Jahren gesetzt habe, konnten wir drei Jahre lang unseren Rucola-Bedarf aus dem eigenen Garten decken – garantiert frisch und ungespritzt. Denn es hat  sich wundersam vermehrt, im ganzen Garten ausgebreitet und auch unsere Terrasse in ein Rucolafeld verwandelt. Im vergangenen Jahr konnte ich schon Anfang April den ersten Rucola auf der Terrasse ernten https://timetoflyblog.com/gartenerkenntnisse. Doch in diesem Jahr halte ich vergeblich Ausschau – und werde für Nachschub sorgen.

Wieder im Einsatz ist seit Kurzem auch der Komposter. In den vergangenen Jahren haben wir unsere Grünabfälle in der grünen Tonne entsorgt, die hier in der Region ein grüner Sack ist. Jetzt kompostieren wir wieder selbst und können demnächst die Hochbeete mit eigener Erde auffüllen – oder ein weiteres befüllen.

Einen neuen Ort zum Lesen und Entspannen gibt es im Garten auch: In der Schaukel im Apfelbaum kann ich nach getaner Arbeit die Seele baumeln, sprich schaukeln lassen. Aber manchmal schaukle ich zugegebenerweise auch statt zu arbeiten.

Foto: Utz Schmidtko

Gäste im Teich und im Garten

Ob wir in diesem Jahr in Urlaub fahren werden, wissen wir nicht. Wir lassen es auf uns zukommen. Doch unsere Pflanzen haben wir bereits in Sommerfrische geschickt. Weit reisen mussten sie nicht, denn sie verbringen die Sommermonate jedes Jahr am gleichen Ort – auf unserer Terrasse, also quasi vor der Tür. Das scheint ihnen gut zu gefallen – beschwert hat sich noch keine. Im Gegenteil: Sie blühen draußen immer auf.

Sommerfrische für Zitruspflanzen

Der kleine Gartentisch hat in diesem Jahr einen neuen Standort bekommen – und eine neue Aufgabe: Er dient vorläufig als Blumentisch. Die Blüten sollen helfen, die Insekten anzulocken, denen wir ein neues Quartier an der Gartenhütte spendiert haben. In das alte Insektenhotel an der Rückseite ist – trotz Teichblick – bislang niemand eingezogen. Vielleicht gefällt es Bienen, Hummeln und Co auf der Sonnenseite der Hütte besser. Möglicherweise ist ihre Zurückhaltung aber auch ein gutes Zeichen: Die Insekten checken vielleicht nicht ein, weil sie in unserem und in den Nachbargärten genügend andere Unterkünfte finden.

Die Frösche sind wieder in unseren Garten zurückgekehrt, obwohl es in der Nähe gewiss schönere und größere Gartenteiche gibt. Ganz freiwillig tun sie das nicht – sie folgen ihren Genen und kehren immer wieder in den Teich zurück, in dem sie geboren wurden. Allmählich wird es eng: In diesem Jahr sind sie zu viert, drei von ihnen teilen sich den kleineren der beiden Teiche. Vielleicht müssen wir den Teich doch irgendwann vergrößern.,

Die Frösche sind vermutlich froh darüber, dass der Gartentisch – anders als in den vergangenen Jahren – nicht mehr am Teich steht. Sie fühlen sich nämlich durch meine Anwesenheit gestört und flüchten ins Wasser, sobald ich mich nähere. Nur eineR ist weniger ängstlich und ließ sich – gut getarnt – von mir fotografieren.

Suchbild mit Frosch

Endlich wieder Gartenarbeit

Nach ca. 15 Jahren ohne Garten habe ich in meiner neuen Wohnung, in der ich seit Januar wohne, endlich wieder die Gelegenheit, in der Erde zu wühlen und zu pflanzen, was ich pflanzen möchte. Meine letzte Wohnung hatte immerhin schon einen Balkon – der allerdings irgendwann so mit Pflanzen, hauptsächlich Obststräuchern, vollgestellt war, dass ich mich selbst kaum noch daraufsetzen konnte.

Der Balkon meiner neuen Wohnung ist etwa anderthalb Mal so groß wie der der alten Wohnung; noch dazu kann ich den Garten nutzen, der zum Haus gehört. Oder besser gesagt die Grünfläche, denn nach Garten sah der Wildwuchs von Rasen bisher nicht aus.

Rings um das Haus befindet sich also ein Grünstreifen. Das Ganze war bisher nur eine Rasenfläche mit einer Kastanie und einem riesigen Kompost-Blätterhaufen in der einen Ecke und ein paar wilden Büschen und Efeu in der anderen. Dazwischen, den (nicht gerade hübschen) kleinen Maschendrahtzaun zum gegenüberliegenden Grundstück entlang, standen noch ein paar hohe vertrocknete Stengel und Halme.

Es war bislang also nicht der attraktivste Garten. Er wird auch in Zukunft keinen Design-Preis gewinnen, aber mir war beim Einzug sofort klar, dass ich das eine oder andere Beet anlegen wollte – mindestens eins mit Gemüse, ein paar Beerensträucher und vielleicht ein paar Blumen. Schon bei der Besichtigung der Wohnung hatte ich in der Hausmeisterin eine Mitstreiterin gefunden; der Vermieter war auch einverstanden und bot sogar an, ein paar Hochbeete zu besorgen.

Letzte Woche wurde das Wetter nach vielen stürmischen, teils verregneten, teils sonnigen aber eiskalten Tagen deutlich besser und prompt kündigte sich unser Vermieter mit den Hochbeeten an.

Am Mittwoch lieferte er die zusammenbaubaren Holzplanken und einen neuen Rasenmäher bei uns ab und noch am gleichen Tag begannen wir mit der Arbeit.

 

(Foe Rodens)

Gartenblicke März

Seit den letzten Gartenblicken hat sich einiges im Garten getan und auch ich habe schon etwas getan. Ich habe den Lavendel beschnitten, säckeweise welke Stengel und altes Laub aus den Beeten entfernt – und dabei festgestellt, dass gut gemeint oft das Gegenteil von gut gemacht ist. Die locker aufgeschichteten Laubhaufen, eigentlich als Überwinterungshilfe für Igel und anderes Kleingetier gedacht, sind durch den Dauerregen im Februar in sich zusammengefallen, haben sich in eine glitschige Pampe verwandelt. Doch es scheint, dass die Bewohner die feucht gewordenen Höhlen rechtzeitig verlassen und sich in Sicherheit gebracht haben. Jetzt liegen die Blätter zum Trocknen neben dem Teich und warten darauf, dass die Grünannahmestelle wieder öffnet – oder auf ihren Einsatz als Schicht im geplanten zweiten Hochbeet auf der Terrasse.

Zurzeit sind Gelb und Lila die dominierenden Farben. Das Kleinblättrige Immergrün (Vinca minor) hinterm Teich blüht lila, ebenfalls lila, nur eine Nuance dunkler, die Primel und das neue Veilchen. Es  hat zum Glück den Bodenfrost der letzten Nächte ebenso überstanden wie die kleinen Pfingstrosen. Welche Farben sie haben, weiß ich nicht – ich habe sie erst im Herbst gepflanzt.

Gelb blühen Winterlinge, die Sumpfdotterblumen im Teich, Narzissen und – gleich nebenan neben der Eberesche – Forsythien und Mahonien. Woher die kleinen Sträucher kommen, die sich überall im Garten ausbreiten, weiß ich nicht – ich kannte bis heute Morgen ja noch nicht mal ihren Namen. Es müssen wohl Kriechende Mahonien (Mahonia repens) sein, laut Wikipedia sind sie immergrün, bilden Ausläufer werden etwa 50 Zentimeter hoch. Das passt – und vielleicht stimmt ja auch der Namen.

Die Rosen im Rosenbeet haben schon Blätter, ebenso Pfingstrosen und Teehibiskus. Die Stockrosen scheinen leider den Schnecken in diesem Jahr besonders gut zu schmecken. Viele sind angenagt – ich hoffe, dass ihnen der Appetit allmählich vergeht und die Stockrosen sich erholen. Vom Rittersporn ist leider noch nichts zu sehen und von den Krokussen, die sich zwischen diversen Stauden und Erdbeeren ausbreiten, hat in diesem Jahr noch kein einziger geblüht. Sie sind, so scheint es, völlig aus dem Rhythmus geraten: In den vergangenen Jahren hatten sie ihre Blütezeit in den Herbst verlegt.

Auf Blaukissen und Traubenhyazinthen ist dagegen wie immer Verlass: Sie stehen dicht an dicht. Der Lavendel bereitet mir dagegen Sorgen. Er krepelt lustlos vor sich hin. Vielleicht hätte ich ihn im Herbst radikal zurechtstutzen sollen, wie es mir eine Bekannte empfohlen hat. Doch dazu fehlte mir der Mut.  Die Anemone blüht wieder – doch sie bleibt ganz für sich. Anders als ihre Beetgenossen vermehrt sie sich nicht selbst; sobald die Gartenmärkte wieder offen sind, will ich mich nach Gefährten umschauen.

Und auch das kleine Beet zwischen dem Nachbargrundstück und den Terrassen wartet darauf, bepflanzt zu werden. Petersilie, Schnittlauch, Minze und Zitronenmelisse sind schon da, ebenso  Lavendel. Ringelblumen habe ich gerade ausgesät, sobald das Wetter mitspielt und die Kräuterfrau wieder ihren Stand auf dem Wochenmarkt hat, werde  ich weitere Kräuter pflanzen: Ananassalbei zum Beispiel, Rosmarin, Zitronenthymian, Liebstöckel und Currykraut. Dann wird die Hexe, die über das Beet wacht, wieder zur Kräuterhexe.

Frühling im Wintergarten

Wenn es draußen grünt und blüht, erwachen auch die  Pflanzen im Wintergarten aus dem Winterschlaf und zeigen sich von ihrer schönsten Seite.

Die beiden ersten Blüten der Strelitzie haben sich geöffnet und machen ihrem Beinamen Paradiesvogelblume alle Ehre. Wie richtige Vögel recken sie ihre Köpfe empor, scheinen sich neugierig nach ihren Mitbewohnern umzusehen.

Das Zitronenbäumchen blüht und trägt gleichzeitig Früchte. Die sind zwar groß wie „richtige“ Zitronen, aber leider ungenießbar. Dafür verbreiten die Blüten im ganzen Haus einen Hauch von Zitronenduft.

Der Osterkaktus und sein zur Weihnachtszeit blühender Bruder versetzen mich alle Jahre wieder in Erstaunen. Sie sind die Senioren unter unseren Pflanzen. Wir haben sie vor fast 30 Jahren von meiner Schwiegermutter geerbt – inzwischen haben sie schon zahlreiche Kinder und Enkel. Einige Blätter sind im Laufe der ergraut, wirken fast wie versteinert.  Doch jedes Jahr blühen sie üppig – der eine zu Ostern, der andere ein halbes Jahr später zur Weihnachtszeit. Danach wirken sie so ausgelaugt, dass ich um ihr Leben fürchte. Schließlich sie sind nicht mehr die Jüngsten. Doch sie sind zäh – trotzen dem Alter: Im Laufe des Jahres erholen sie sich und bilden neue Knospen – jeder rechtzeitig zu „seinem“ Fest,

Wo ist mein Waldmeister?

Diese Frage stelle ich mir, seit in der letzten Woche, pünktlich zum Beginn des meteorologischen Frühlings, meine Gartensaison begonnen hat. Weil das Wetter sich zumindest an zwei Tagen zeitweise an die Vorgaben der Meteorologen gehalten hat, habe ich angefangen, in den Beeten altes Laub, vertrocknete Stengel und Blätter zu entfernen. Denn darunter wartete schon das neue Grün auf seinen Auftritt.

Wieder da: Der Bärlauch gedeiht auch im Schatten von Efeu und Vogelschutzhecke

Der Efeu hat – wie immer – meine Abwesenheit genutzt. Von den Zäunen aus erobert er den Garten, sobald ich mich eine Zeit lang nicht im Garten sehen und ihn gewähren lasse. Und wie immer denke ich, dass ich dem Beispiel von Kaspar Klaffke und Gesa Klaffke-Lobsien folgen sollte. Die beiden kennen sich nämlich mit Pflanzen und Gärten wirklich gut aus: Gesa Klaffke-Lobsien ist Biologin, Kaspar Klaffke war Leiter des Gartenbauamts in Hannover. Sie haben die Aktion offene Gärten in die Region Hannover und nach Deutschland gebracht. Und sie haben eine alte Friedhofsgärtnerei in einen wunderschönen Garten verwandelt – ein kleines Paradies in der Stadt.*

Die beiden verbringen viel Zeit im Garten – sie lieben Pflanzen, hegen und pflegen sie. Aber der Efeu hat bei ihnen Gartenverbot, eben weil er sich überall breitmacht, sobald man ihm einen winzigen Teil überlässt.

Bei mir ist es im Garten wie im richtigen Leben: Ich bin nicht sehr konsequent. Und so dulde Efeu an allen Zäunen, nicht nur, weil er immer grün ist, sondern auch, weil er einmal einem Zaunkönig als Nistplatz gedient hat. Aber in den Beeten hat der Efeu nichts zu suchen. Und so habe ich die bei meinem ersten Gartenarbeitstag in diesem Jahr eimerweise Bodentriebe mitsamt Wurzeln ausgerissen.

Fast wäre auch kleine stachlige Pflanze meiner Ausreißwut zum Opfer gefallen. Ich habe sie für einen Ausläufer der Brombeere gehalten, die dem Efeu  Konkurrenz macht und sich von der Stirnseite des Gartens im angrenzenden Beet breitmacht. Doch im letzten Moment habe ich unter Efeuranken und altem Laub das kleine Schild entdeckt und mich erinnert: Hier habe ich im vergangenen Sommer eines der adoptierten Rosenkinder eingepflanzt (https://chaosgaertnerinnen.de/rosen-rosen).

Die Bibernell-Rose ist eine intensiv duftende alte Sorte, die – anders als die meisten ihrer Geschwister – auch im Schatten gedeiht. So stachlig hatte ich sie allerdings nicht in Erinnerung – sonst hätte ich siewahrscheinlich in die wilde Ecke hinter die Teiche gepflanzt. Dort ist die Vogelschutzhecke mit Vogelbeere, schwarzem Holunder, Weißdorn, Berberitze, Schlehe, Heckenrose und Felsenbirne gut über den Winter gekommen, auch der Bärlauch ist schon recht groß. Der Waldmeister ist dagegen verschwunden, keine Ahnung warum, weshalb und wohin.

Jahrelang hat er sich in der Ecke ausgebreitet, jedes Jahr ein bisschen mehr. Im vergangenen Jahr habe ich deshalb einen kleinen Teil der Pflanze vorsichtig ausgegraben und an zwei Stellen im Garten verpflanzt habe. Hat er mir das übel genommen? Oder war die Konkurrenz von Hecken, Efeu und Minze zu groß. Ich suche den Boden ab, vom Vater keine Spur, während die verpflanzten Söhne an ihren neuen Standorten hervorragend gedeihen.

Der Waldmeister-Ableger wächst und gedeiht; der Vater ist verschwunden.

Die Pfingstrosen haben den Umzug in unseren Garten und den ersten Winter ebenfalls überstanden: Sie waren aus dem Harz sicher ein raueres Klima gewohnt. Eine Bekannte hat mir ein paar Ableger geschenkt, als ich ihr von den Pfingstrosen im Garten meines Elternhauses erzählte – und wie sehr ich es bedaure, dass ich sie nicht (teilweise) ausgegraben und mitgenommen habe, bevor wir das Haus verkauft haben. Denn es war eine alte Sorte; die Blüten haben – anders als die Pfingstrosen, die ich in den vergangenen Jahren in unserem Garten gepflanzt habe – sehr intensiv geduftet. Die neuen Ableger tun es auch, hat Gudrun gesprochen. Ich bin gespannt.

Zaghafter Blick in die neue Heimat: meine neue alte Pfingstrose

PS: Nachdem ich diesen Blogpost geschrieben und veröffentlicht hatte, habe ich auf dem Markt meine Kräuterfrau getroffen, bei der ich Kräuter und andere Pflanzen kaufe. Als ich ihr mein Leid vom verschwundenen Waldmeister klagte, lachte sie. Dass mein Waldmeister am angestammten Platz noch nicht zu sehen sei, sei normal. „Für Waldmeister ist es noch zu früh. Der kommt erst in ein paar Wochen aus dem Boden. Der verschwindet nicht“, versicherte sie mir. Ich solle Geduld haben.

Aber ich fürchte, auch hier ist es im Garten wie im richtigen Leben: Geduld zählt nicht zu meinen Kernkompetenzen.

*Mein Artikel über Wohnen in einer alten Gärtnerei in wohnwerken 2017, S. 144ff:  https://issuu.com/schluetersche/docs/wohnwerken_04

Gesa Klaffke-Lobsien, Kaspar Klaffke:
GartenLeben in der Alten Gärtnerei, Springe 2015.
Das Buch ist erschienen im  Zu Klampen Verlag

Garten im Blick – Februar

Fast hätte ich am letzten Tag des Winters noch Bilder vom verschneiten Garten präsentiert. Denn gestern Nacht schneite es – zum ersten Mal in diesem Jahr, zum ersten Mal in diesem Winter. Doch als ich heute Morgen aufwachte, war die weiße Pracht schon wieder dahin – das Wintermezzo zu Ende, bevor es richtig angefangen hatte. Mein Mann, der früher ins Bett gegangen war, hatte es nicht einmal bemerkt.

Es hat sich einiges getan im Garten, auch wenn ich selbst erst wenig getan habe. Der Frühling beginnt in diesem Jahr so früh wie noch nie. In einigen Gärten im Ort blühen sogar schon die frühen Rhododendren – zum ersten Mal im Februar, wie die Gartenbesitzer, die ich gefragt habe übereinstimmend erklärt haben, sonst zeigen sich die Blüten erst im März.

So weit ist unser Rhododendron noch nicht, aber  die Forsythien haben – anders als die Eberesche –ihren Winterschlaf schon beendet …

… und wer genau hinschaut entdeckt gleich nebenan am Teich neben Osterglocken und Primeln und die ersten Traubenhyazinthen. Auch die Lilien strecken ihre Blätter aus dem Boden – und es dauert auch sicher nicht mehr lange, bis sich die ersten Seerosenblätter im Teich entrollen. Von den Fröschen, die alle Jahre wiederkommen, ist allerdings noch nichts zu sehen und zu hören

Die Rosen haben schon die ersten Blätter, während in der Etage darunter noch die Christrose blüht. Oder ist es eine Lenzrose, die den Frühling nicht erwarten kann.

Der Lesezwerg genießt die Sonne in seinem Bett mit blauen Kissen, das sich jedes Jahr ein bisschen mehr ausbreitet.

Was dem Blaukissen erlaubt ist, darf die Dreimasterblume nicht, obwohl ihre blaulila Blüten mir eigentlich sehr gut gefallen. Aber sie hat ein allzu einnehmendes Wesen, einnehmender noch als Giersch und Topinambur. Denn ihre Wurzeln bilden ein dichtes Geflecht, das sich selbst mit dem Spaten kaum durchdringen lässt. Wo sie wächst, haben andere Pflanzen kaum eine Chance. Ich habe daher das Beet an den Terrassen umgespatet, kiloweise Dreimaster-Wurzeln entfernt und Platz für Kräuter und Gemüse geschaffen, die ich im Frühling hier pflanzen möchte.

Einen Teil der Wurzeln habe ich übrigens an einer anderen Stelle wieder eingegraben, am Zaun zum Nachbargrundstück neben unserer Einfahrt. Denn mit Pflanzen ist es wie mit Büchern – ich werfe sie nur ungern weg.

 

Früh im Jahr

„Woran erkennst du den Frühling?“  Das frage ich mich jedes Jahr am Ende des Winters, seit ich das Gedicht von Georg Britting in der Schule gelernt habe. Aufsagen kann ich es nicht mehr, nur dass die Luft trächtig ist, Hauch und Gerüche trägt, ist mir im Gedächtnis geblieben, ebenso, dass die alten Frau Mutter schuld hat, weil ihr tief in der Erde ein Topf übergekocht ist, „mit Sud vom Gewürztem“.

Wer das Gedicht geschrieben hat, hatte ich längst vergessen, ebenso den Titel, aber beides konnte ich, Google sei Dank, schnell herausfinden: Das Gedicht heißt „Früh im Jahr“ und es ist in der Tat noch früh im Jahr. Der meteorolische Frühling beginnt  in etwa einer Woche und der kalendarische, der astronomische, erst in einem Monat.

Und woran erkennt man ihn nun, den Frühling? Die Vögel, die sonst immer wussten, wann der Frühling naht, haben, so scheint es, in diesem Winter, der der ja eigentlich kein richtiger war, die Orientierung verloren und gar keine Winterpause gemacht. Sie haben selbst im Dezember und im Januar morgens gezwitschert – so laut, dass ich es selbst bei geschlossenen Fenstern gehört habe.

Unerwünschte Frühlingsboten: Läuse im Wintergarten

Auf andere Tierchen ist dagegen als Frühlingsboten Verlass, auch wenn ich auf sie gerne verzichtet hätte. Wie in jedem Frühjahr sind die Blattläuse wieder da. Die ersten haben sich auf unseren Zitruspflanzen im Wintergarten festgesetzt – und mit den Läusen kommen auch die Ameisen, die mit ihnen in einer Art Symbiose leben: Die Ameisen melken die Blattläuse, sie ernähren sich von dem süßen Nektar, den die Blattläuse ausscheiden, und sie füttern ihre Brut damit. Als Gegenleistung – im Leben ist halt nichts umsonst – transportieren die Ameisen die Larven der Blattläuse an die Blattspitzen und verteidigen die Läuse gegen ihre Feinde – also auch gegen mich?

Denn ich sage ihnen den Kampf an – zumindest im Wintergarten. Die Blattläuse setzte ich mitsamt den Wirtspflanzen vor die Tür in der Hoffnung, dass die Pflanzen die Versetzung heil überstehen, ihre ungebetenen Gäste in einer kühlen Nacht erfrieren, vom nächsten Regenguss weggeschwemmt oder vom Wind verweht werden.

Noch verhüllt: Die Paradiesvogelblüte

Strelizien mögen die Läuse glücklicherweise nicht: Ihre noch verschlossenen Blüten künden ebenfalls vom Frühling. Ich bin gespannt, wann sie sich öffnen – lange dauert es gewiss nicht mehr, bis der erste Paradiesvogel seinen Kopf aus  der grünen Hülle streckt.

Draußen im Garten haben die Schneeglöckchen Gesellschaft bekommen: Die Krokusse blühen, lila meist,

auch die erste Schlüsselblume hat sich hervorgewagt und die ersten Osterglocken – lange vor Ostern.

Die Hyazinthen trauen dem Wetter offenbar noch nicht so recht und verstecken sich noch zwischen ihren großen Blättern. In den nächsten Tagen werde ich das Laub in den Beeten zusammenharken, vorsichtig, damit ich Igel und Co in den Laubhaufen nicht störe, falls sie noch ihren Winterschlaf halten.

Vielleicht lege ich dann auch Rip van Winkle frei, die Narzisse, ich  im letzten Jahr nur wegen ihres Namens gekauft habe – Reminiszenz an Max Frisch, der lange Zeit mein Lieblingsschriftsteller gewesen ist. Er hat die Rip-Van-Winkle-Geschichte in seinem Roman Stiller erzählt hat.

Osterglocke oder Narzisse. Name unbekannt. Rip van Winkle ist es nicht.

Womit wir wieder am Blog-Anfang wären, bei der Literatur. Und natürlich beim Frühling, der hoffentlich bald kommt.

Das Gedicht ist im Internet unter der Adresse http://britting.de/gedichte/4-135.html zu finden

Garten im Blick – Januar

Nein, ich möchte mich nicht mit fremden Federn schmücken und deshalb vorweg: Es ist nicht meine Idee, sondern ich habe sie auf der Instagram-Seite meiner Vornamenscousine Eva Wenig entdeckt (@meine_gartenzeit). Aber sie gefällt mir so gut, dass ich sie adoptiert habe und mitmache: Auch ich werde jeden Monat an bestimmten Stellen unseres Gartens Fotos machen und sie auf unserem Blog und auf Instagram posten.

Eva Wenig zeigt ihren Garten in Niederbayern aus fünf Blickwinkeln (http://meine-gartenzeit.de/2020/01/13/5-blickwinkel-12-monate-januar/). So tolle Ausblicke wie ihr Hanggarten bietet unser Garten nicht. Und auch die Lichtverhältnisse waren bei den ersten Fotos nicht optimal. Doch weil der Januar zu Ende geht, musste ich die wenigen nicht ganz so trüben Augenblicke nutzen.

Meine beiden Minigartenteiche sind natürlich dabei mit dem Leuchtturm Roter Sand.

Das Rosen-Erdbeer-Beet und die Gartenhütte müssen mit aufs Foto …

… und natürlich mein Lesezwerg. Er sitzt seit Jahr und Tag am gleichen Platz, sommers wie winters, immer in das gleiche Buch vertieft. Dass er seine Kleidung längst eingebüßt hat, bemerkt er ebenso wenig wie die Blaukissen, die in diesem Jahr ungewöhnlich früh anfangen zu blühen. Bald schon wird er von lauter blauen Blüten umgeben sein.

Auch mein Lieblingsbaum, die Eberesche mit dem Drillingsstamm, darf nicht fehlen.  Der Nistkasten muss in diesem Jahr gründlich renoviert oder ausgetauscht werden.

Und zum Schluss noch einen Blick auf unsere Terrasse, die an das Nachbargrundstück grenzt, mit meinem neuen Hochbeet und dem Pflanztisch. Hier wachsen zwei Weinstöcke und Kräuter: Minze, Zitronenmelisse, Petersilie und Ananassalbei zum Beispiel. Ab Mai, wenn die Eisheiligen vorbei sind,  werden wieder einige Pflanzen aus dem Wintergarten hier ihren Sommerurlaub verbringen. Und auch die Tomaten gedeihen hier – geschützt zwischen Hauswand und Zaun – sehr gut.

Noch ist alles ziemlich kahl und grau, aber das wird sich bald ändern. Wie, werde ich in den nächsten Monaten dokumentieren.

Übrigens: Auch Eva Fuchs postet auf ihrem Blog (https://evafuchs.blogspot.com/search/label/12telBlick und auf ihrer Instagram-Seite (@verfuchst.insta) jeden Monat ein Foto, das sie immer vom selben Standpunkt möglichst aus demselben Blickwinkel (oder ist es der gleiche) fotografiert. 12tel-Blick heißt die Fotoaktion, die angeblich Tabea Heinicker erfunden oder besser gesagt ins Leben gerufen hat. Mitmachen ist erwünscht – von allen Evas.

Sie ist wieder da

Die Orchidee auf meiner Fensterbank blüht wieder. Es ist meine erste Orchidee – und sie bleibt auch wohl die einzige. Denn eigentlich mag ich ja keine Orchideen. Aber diese ist eine besondere. Denn ich habe sie vor etwa einem Jahr meiner Mutter geschenkt. Als sie im Sommer gestorben ist, habe ich die Pflanze mit zu mir nach Hause genommen und ihr auf der Fensterbank in meinem Arbeitszimmer einen neuen Platz gegeben. https://timetoflyblog.com/?s=orchidee

Dort hat sich die Orchidee von dem doppelten Umzugsstress schnell erholt und ist wider Erwarten aufgeblüht, um dann irgendwann im November alle Blüten zu verlieren. Ich habe mich nicht weiter um sie gekümmert, weil Pflanzen es ja angeblich mögen, wenn man sie in Ruhe lässt. Ich habe sie nur gelegentlich gegossen und das überschüssige Wasser etwas später abgegossen. Das hat meine Mutter auch so gemacht und als sie es nicht mehr konnte, hat sie mich gebeten, es zu tun. Zumindest solange sie in dem Heim in Bissendorf lebte. Daran, dass Orchideen keine nassen Füße mögen, hat sie sich bis fast zum Schluss erinnert. Und auch ich werde es sicher nicht vergessen.

Irgendwann Anfang des Jahres habe ich die ersten Knospen bemerkt, inzwischen blüht die Orchidee wieder. Etwas heller als im vergangenen Jahr, wie mir scheint. Blasser, so wie die Erinnerung verblasst. Aber sie bleibt.