Nicht nur tropisch

Mit Orchideen ist es ein bisschen wie mit Frau aktuell, Frau im Spiegel und anderen Yellow-press-Produkten. Angeblich kauft sie niemand, keine/r liest sie und trotzdem haben sie riesige Auflagen.  Die exotischen Pflanzen – einst Luxusgut – werden inzwischen zuhauf und zu Schleuderpreisen angeboten. Ich bin kein Orchideenfan. Mir sind sie zu wenig grün, zu künstlich. Sie tun mir fast ein wenig leid, wenn sie in Regalen oder auf Fensterbänken in Reih und Glied stehen und auf kahl wirkenden Stengeln ihre prächtigen Blüten nach oben recken.,Und sie erinnern mich immer ein wenig an Zootiere, die in zu kleinen Käfigen oder Gehegen ihr kümmerliches Dasein fristen. Und vielleicht wäre es an der Zeit, sich für die artgerechte Haltung einzusetzen: Statt free Willy free Phalaenopsis – zu Deutsch: Nachtfalterorchidee, eine der am meisten verkauften Orchideenarten – oder free Dendrobium.

 

Freiheit auf der Fensterbank

Eine Ahnung, wie Orchideen in „freier Wildbahn“ aussehen, bekommt man in den Herrenhäuser Gärten. Im Orchideenhaus im Berggarten blühen während des ganzen Jahres etwa 500 und 800 Orchideen, die jeweils schönsten aus der Sammlung von rund 25.000 Pflanzen. Außerdem gibt es im Tropenschauhaus immer wieder Sonderausstellungen, wie zuletzt die Ausstellung „Farbenrausch der Tropen – Südostasien im Berggarten“. Mehr als 600 Vanda-Orchideen, aber auch Dendrobium, Phalaenopsis und die asiatischen Frauenschuhorchideen der Gattung Paphiopedilum leuchteten in allen Farben, von Weiß über Rosa-, Rot- und Gelbtöne bis zu Blauviolett.

 

Orchideen wachsen aber nicht nur in der Tropen, sondern überall auf der Welt, selbst in arktischen Regionen. Bis zu 25.000 verschiedene Arten soll es weltweit geben; in Deutschland sind es rund 90 wild wachsende Orchideenarten. Während die tropischen Orchideen meist auf anderen Pflanzen, zum Beispiel auf Bäumen wachsen, wachsen die heimischen auf dem Boden. Sie sind unscheinbarer, aber nicht weniger hübsch als ihre tropischen Verwandten.

Zur Orchidee des Jahres 2019 hat der Arbeitskreise „Heimische Orchideen Deutschlands“ das Dreizähnige Knabenkraut oder Orchis tridentata Scop. (Neotinea tridentata) gewählt. Die Pflanzen blühen im Mai meist rosa, seltener weiß; sie werden bis 45 cm hoch – und sind wie viele Orchideenarten gefährdet.

Orchideenausstellung in den Herrenhäuser Gärten.

Übrigens. Alle heimischen Orchideen stehen unter Artenschutz. Pflücken oder ausgraben sind also verboten. Wer Orchideen im eigenen Garten haben möchte, kann Arten wie Helm-Knabenkraut, Sumpf-Ständelwurz, das breitblättrige Knabenkraut, die Freiland-Orchidee ‚Formosana‘ oder die Sibirische Frauenschuh-Orchidee im Gartencenter kaufen. Ichwerde das wohl nicht tun. Denn wie gesagt, ich bin kein Orchideenfan.

Bei der Recherche bin ich  auf zwei interessante Websites eines Kollegen und Studienfreunds gestoßen

miramis.de

albiflora.eu

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