Garten in Gelb

Gelb ist nicht wirklich meine Farbe. Meine beiden einzigen gelben Kleidungsstücke – eine zitronengelbe Regen- und eine sonnengelbe Winterjacke – habe ich mir nur gekauft, weil ich damit vor allem in der dunklen Jahreszeit auf dem  Rad besser zu sehen bin. Und ich mag gelbe Rosen. Doch sonst bevorzuge ich bei Blumen eigentlich andere Farben. Dass jetzt in unserem Garten Gelb dominiert, ist weniger geplant als vielmehr naturgegeben. Aber die Farbe passt zur Jahreszeit, und es ist, als brächte die Natur noch einmal eine Extraportion Sonne in den Garten, bevor der Sommer sich endgültig verabschiedet.

Die gelben Topinambur waren schon in unserem Garten heimisch, als ich vor 36 Jahren hier eingezogen bin. Und obwohl ich jedes Jahr dutzende herausreiße, kommen ebenso viele nach. Auch die Goldrute breitet sich in unserem Garten ungefragt aus. Weil sie  als Nektar- und Pollenpflanzen für Insekten nützlich sein sollen, lasse ich ein paar Neophyten stehen, obwohl ich sie eigentlich nicht mag.  Das ist bei Ringelblumen anders: Sie waren leider ein paar Jahre ganz aus unserem Garten verschwunden und kehren jetzt zum Glück allmählich wieder zurück.

Dagegen versuche ich bislang vergeblich, Sonnenblumen in unserem Garten anzusiedeln. Während sie in anderen Gärten und auch auf Balkonen wild wuchern, gibt es sie bei uns nur vereinzelt in der Blumenvase. Dabei verfüttern wir im Winter kiloweise Sonnenblumenkerne an die Vögel – auch in der Hoffnung, dass der ein oder andere Samen mit oder ohne Umweg durch den Vogelmagen in unseren Beeten landet. Manchmal streue ich auch Kerne direkt ins Bett – ohne Erfolg. Und von den Sonnenblumen, die ich blühend gepflanzt haben, hat bislang keine länger als drei Tage überlebt. Sie fielen allesamt dem Gelbe-Blumen-Monster zum Opfer, das in unserem Garten sein Unwesen treibt.

Genauso erging es den Dahlien. Weil auch sie immer in Nullkommanix abgefressen waren, habe ich in diesem Jahr zum ersten Mal keine blühenden Pflanzen, sondern Knollen gepflanzt – und hatte mehr Glück. Zumindest an zwei Stellen haben die Dahlien überlebt.

Am gelb blühenden Rucola haben die Gelb-Blumen-Monster dagegen überhaupt kein Interesse. Vielleicht riecht ihnen die Pflanze zu intensiv. Oder die Blätter sind ihnen zu scharf und zu bitter, wenn die Pflanzen endlich blühen. Und so breitet sich der Rucola überall im Garten aus. Besonders gut gedeiht er auf unserer Terrasse, wo er überall zwischen den Steinen hervorsprießt.

Den Rucola essen wir selbst, die gelben und roten Hagebutten und die Sanddornbeeren überlassen wir dagegen den Vögeln, die in unserem Garten wohnen. Vor allem die die vitaminreichen Früchte der Heckenrosen sind angeblich für viele Vogelarten Leckerbissen und  helfen ihnen, den Winter zu überstehen. Im Moment bevorzugen die Vögel allerdings die süßen Trauben, die auf unserer Terrasse wachsen.

Davon, mit uns zu teilen, halten unsere gefiederten Mitbewohner wenig: Wenn  wir die Terrasse betreten, werden wir meist von ihnen beschimpft. Vertreiben lassen wir uns von ihrem Gezeter allerdings nicht.  Denn irgendwie ist es ja nicht nur ihr, sondern auch unser Garten.

Im Garten

„The grass is always greener on the other side of the fence“, heißt ein englisches Sprichwort. Die freie deutsche Übersetzung lässt das Gras außen vor und spricht stattdessen von Kirschen, die angeblich in „Nachbars Garten … immer ein bisschen süßer“ schmecken als im eigenen.

Nun ist – nebenbei bemerkt – gegen das Gras in unserem Garten wirklich nichts einzuwenden. Das Vorbild meines Mannes sind die Tennisplätze in Wimbledon – vor den ersten Tennisspielen natürlich. Und so pflegen er und sein Gehilfe – Sammy, unser elektronisches Schaf – unseren Rasen mit Hingabe. Und auch die Kirschen schmecken gut – leider nicht nur uns, sondern auch den Maden, die sich dort gerne einnisten. Mir verdirbt das ehrlich gesagt  den Appetit auf die roten Früchte, egal wie süß sie sein mögen. Den Vögeln glücklicherweise nicht – manche freuen sich offenbar sehr über die Fleischeinlage.

Und was will die Autorin dieses Beitrags damit sagen? Ich schaue mir ja gerne  andere Gärten an und bin, ich gebe es zu, meist beeindruckt und manchmal auch ein bisschen neidisch. Denn die meisten GartenbesitzerInnen, die ihre Pforten für BesucherInnen öffnen, haben wirklich einen grünen Daumen. Aber auch unser Garten kann sich sehen lassen.

Und wenn ich dann in meiner Schaukel liege, auf der Terrasse, am Teich oder im Wintergarten sitze, sind mir die Kirschen und das Gras in fremden Gärten ziemlich egal. Dann genieße ich einfach den Garten – und den Tag.

Die Farbe Lila

Lila ist meine Lieblingsfarbe, und so ist es sicher nicht kein Zufall, wenn in unserem Garten derzeit Lila in den verschiedensten Nuancen dominiert.

Denn wenn immer ich bei neuen Pflanzen die Wahl habe, entscheide ich mich für eine aus dem Pink-lila-Farbspektrum. Beim Storchenschnabel zum Beispiel, bei der Hecken- oder bei der Künstlerrose, die mir nicht nur wegen ihres Dufts, sondern auch wegen der interessanten Farbkombination gefallen hat. Mein absoluter Rosenliebling ist und bleibt aber Rhapsody in Blue, anders als der Name es sagt, nicht blau, sondern lila blüht und ebenfalls wunderschön duftet.

Auch Lavendel steht auf der Liste unserer Lieblingspflanzen weit oben – und wächst deshalb überall in unserem Garten. Irgendwann im Sommer werde ich die Blüten pflücken, zu kleinen Sträußchen zusammenbinden und in den Zimmern verteilen oder in kleine Säckchen abfüllen, damit der Duft die Motten abschreckt.

Strauchbasilikum, Schnittlauch und Salbei blühen nicht nur lila, sondern landen auch auf unseren Tellern oder in unseren Tassen.

Das empfiehlt sich beim Fingerhut nicht, denn der ist leider giftig. Schon zwei bis drei getrocknete Blätter können für Erwachsene tödlich sein, bei Kindern genügen schon kleinere Mengen. Als unsere Tochter klein war und oft Kinder in unserem Garten spielten, haben wir die Fingerhüte aus unserem Garten verbannt. Das haben sie uns sehr übel genommen und es hat zweieinhalb Jahrzehnte gedauert, bis sie wieder zurückgekehrt sind. Doch jetzt fühlen sie sich hier sehr wohl, sind gern gesehen und dürfen bleiben, ebenso wie die Dreimasterblume. Deren einnehmendes Wesen zwingt mich zwar manchmal , ihrer Expansion Einhalt zu gebieten. Doch missen möchte ich sie in meiner Sinfonie in Lila nicht.

PS: Beim Nachdenken über diesen Blogbeitrag kam mir der Roman von Alice Walker in den Sinn, den ich schon lange wieder einmal lesen wollte. Das habe ich getan, und wie vor Jahren hat mich auch diesmal die Geschichte von Celie in ihren Bann gezogen. Auch den Essayband „Auf der Suche nach den Gärten unserer Mütter/Beim Schreiben der Farbe Lila“, der schon lange in meinem Regal steht, habe ich endlich gelesen. Seither denke ich, überzeugte Feministin, über einen Satz im Vorwort nach: „Womanist (ein Begriff, der für Alice Walker offenbar programmatische Bedeutung hat) ist im Vergleich zu feministisch wie lila zu lavendel.“ Mir gefällt beides.

Endlich Platz

Jetzt gehört der Wintergarten wieder uns. Er ist zum ersten Mal seit Jahren komplett pflanzenfrei.

Weilinzwischen alle Eisheiligen mit Ausnahme des Heiligen Urban durchs Land gezogen sind, haben wir unsere Pflanzen aus dem Wintergarten nach draußen gebracht. In der Nacht  nach dem Besuch der kalten Sofie habe ich die kälteempfindliche Gurke in meinem Hochbeet noch durch eine Zipfelmütze aus Vliesstoff geschützt. Doch wenn die Meteorolügen recht haben, ist das ab jetzt nicht mehr nötig. Die Temperaturen sollen ab jetzt auch nachtsüber  10 Grad liegen. Und so durften der Ananassalbei und der Strauchbasilikum ebenfalls umziehen und ergänzen jetzt die Kräuersammlung auf und an der Terrasse. Urban kann ihnen am 25. Mai dann hoffentlich nichts mehr anhaben.

In diesem Jahr spendieren wir auch der Yucapalme und der Strelitzie zum ersten Mal seit Langem eine Auszeit im Freien. Uns selbst beschert der Pflanzenumzug mehr Platz im Wintergarten – und ein bisschen Urlaubsflair auf unserer Terrasse: Sie erinnert mich ein wenig an die begrünten Innenhöfe, die sich in vielen südlichen Ländern oder in südlicheren Teilen Deutschlands hinter Mauern und Zäunen verstecken.

Blütenpracht

Chaosgärtnerinnen proudly present: die neuesten Blüten von der Fensterbank und aus dem Wintergarten, die unterschiedlicher kaum sein könnten: prachtvoll die einen, eher unscheinbar, aber nicht weniger schön die anderen.

Die beiden Blüten der Strelitzie sind groß und farbenprächtig – und nicht zu übersehen. Sie erinnern wirklich an die bunten Vögel, denen die Strelitzia reginae ihre deutschen Namen verdankt: Papageien- oder Paradiesvogelblume.

Wie der rosa blühende Kaktus in meinem Arbeitszimmer heißt, weiß ich nicht. Ich vermute, dass er zur Familie der Mammillaria gehört, was netter klingt als die deutsche Bezeichnung Warzenkakteen. Etwa 180 Mitglieder soll diese Großfamilie haben,  die damit zu den artenreichsten Gattungen der Kakteengewächse zählt (https://www.pflanzenfreunde.com/lexika/kakteen/mammillaria.htm). Ursprünglich stammen die Mammillarias aus Mexiko, wie sie von dort auf meine Fensterbank gekommen sind, weiß ich nicht. Ich glaube mich zu erinnern, dass meine Tochter den Kaktus irgendwann gekauft und bei uns zurückgelassen hat, als sie ausgezogen ist.

Von meiner Schwiegermutter stammt die wohl älteste Zimmerpflanze im Haus: Der Osterkaktus ist mit seiner Tochter oder der jüngeren Schwester vor ziemlich genau 30 Jahren, nach dem Tod meiner Schwiegermutter, bei uns eingezogen. Er blüht alle Jahre wieder, auch wenn seine Kraft nachlässt. Jedes Jahr sind es weniger und kleinere Blüten, die Blätter sind nicht mehr so grün und prall wie bei seinen jüngeren Verwandten, sondern verholzen. Aber mir gefällt er: Ich finde, er altert in Würde.

Die beiden Kiwis – eine männliche und eine weibliche – sind erst im vergangenen Sommer zu uns gekommen und über Winter groß geworden. Jetzt blüht die Kiwi-Dame und die vielen beigen Blüten lassen auf reiche Ernte im Sommer hoffen. Wenn die Eisheiligen in gut einem Monat vorbei sind, werden sie und ihr Gefährte wieder nach draußen ziehen. Wir werden sie in aus ihren Töpfen in das kleine Beet an der Terrasse umpflanzen und ernten dann die Früchte für unser Müsli jeden Morgen ganz frisch. Neben den Kiwis sind dann  auch Erd-, Stachel- und Himbeeren in Pflückweite.

Auch Rip van Winkle wartet im Wintergarten auf wärmere Tage. Meine Tochter hat meinen Blogbeitrag über die verschwundene Narzisse gelesen und mir neue geschenkt. Vielen Dank dafür. Diesmal sind es gleich sieben Zwiebeln, die ich einpflanzen kann – und ich hoffe, dass sie spätestens im nächsten Jahr genauso aufblühen wie der Kaktus meiner Tochter auf meiner Fensterbank.

Sie müssen draußen bleiben

Unser Wintergarten macht seinem Namen zurzeit alle Ehre: Auch wenn die Sonne scheint, ist es draußen derzeit noch recht kühl. Unter und hinter dem schützenden Glas zeigt das Thermometer dagegen mittags, wenn die Sonne um das Haus der Nachbarn herumgewandert ist,  oft 30 Grad und mehr – gerade richtig für eine Frostbeule wie mich. Vor allem in der Übergangszeit, also im (Vor)frühling und im Herbst, sitze ich gerne dort; der Wintergarten wird von Februar bis November zum Lese-, Schreib-, Arbeits-, Ess- und Wohnzimmer.

Auch die Pflanzen fühlen sich pudelwohl: Die Strelitzie wird bald blühen, die beiden Kiwis haben den Winter gut überstanden und sind schon jetzt größer als im vergangenen Herbst. Und auch meine Zitronenverbene wird wieder grün und duftet intensiv, wenn man an ihren Blättern reibt.

 

Der Osterkaktus, den wir aus einem Ableger großgezogen haben, wirft gerade die letzten rosa Blüten ab. Doch an den Blättern zeigen sich schon wieder kleine Knospen – er blüht diesmal wohl nicht nur zur Weihnachtszeit, sondern auch, nomen est omen, an Ostern. Seine Mutter oder Tante trägt dagegen rot, wie die Knospen verraten.

Noch ist es im Wintergarten ein wenig eng, aber Anfang Mai, wenn die Eisheiligen vorbei sind, ziehen die meisten Pflanzen und der Mosaik-Tisch wieder auf die Terrasse.

Die Orangen- und Zitronenbäumchen müssen schon heute raus in die Kälte. Denn auf ihnen tummeln sich schon wieder die Blattläuse: Sie stechen die  Pflanzen an und zapfen ihnen einen zuckerhaltige Saft ab. Der wiederum lockt die Ameisen an: Sie melken die Läuse, kneifen ihnen in den Hintern, damit sie einen süßen Nektar, den sogenannten Honigtau, ausscheiden. Damit ernähren sich die Ameisen und füttern ihre Brut.

Das dürfen sie gerne tun, aber bitte draußen, im Garten oder auch auf der Terrasse: In unserem Wintergarten sind Ameisen ebenso wie Blattläuse unerwünscht. Sie müssen draußen bleiben.

Nahe Verwandte

Im vergangenen Jahr – oder war es schon im Jahr davor – habe ich mir einen Philodendron und eine Monstera gekauft. Dass es sich um verschiedene Arten handelt, wusste ich nicht: Denn sie ähneln sich sehr und sind ja auch miteinander verwandt. Beide sind in den tropischen Wäldern Mittel- und Südamerikas zu Hause und gehören zu den Aronstabgewächsen (Araceae).

Die Monstera habe ich mir gekauft, weil ich sie für einen Philodendron gehalten habe – und weil mir die Blätter mit den großen Löchern so gut gefallen haben. Dass tief eingeschnittene und gelochte Blätter typisch für Monsteras sind, habe ich erst jetzt, beim Schreiben des Blogbeitrags, erfahren. Vielleicht heißt sie auch deshalb Fensterblatt, weil die großen Löcher an Fenster erinnern: Philodendron-Blätter sind  lanzen- oder  eiförmig, mal sind sie tief eingeschnitten, mal haben sie – wie meine – einen glatten Rand. Aber vielleicht ändert sich das noch, wenn die Pflanzen etwas älter und größer sind.

Philodendrons gibt es als Kletterpflanzen, Sträucher und Bäume, Monsteras sind dagegen immer Kletterpflanzen. Das hat meiner Monstera wahrscheinlich das Leben gerettet. Weil sich ein Trieb am Fensterrahmen hoch und um ein Bild gerankt hatte, durfte sie den vergangenen Sommer auf der Fensterbank verbringen. Dort ist sie munter weiter gewachsen  – der Trieb ist inzwischen mehr als drei Meter lang und hat auch andere Bilder an der Fensterwand erobert.

 

Ihr Cousin, der Philodendron, hatte weniger Glück. Die Sommerfrische auf der Terrasse ist ihm, anders als den anderen Pflanzen, überhaupt nicht bekommen. Dass Philodendren weder pralles Sonnenlicht noch Staunässe vertragen, habe ich erst gelesen, als es zu spät war: Beides gab es im eher verregneten Sommer 2021 abwechselnd.

Am Ende des Sommers war die Mutterpflanze dann leider nicht zu retten, aber immerhin drei Ableger. Die haben jetzt Plätze gefunden, die ihnen hoffentlich besser gedeihen: weder zu hell noch zu dunkel. Zwei stehen am Ostfenster meines Schreibzimmers und sehen morgens die Sonne, die dritte leistet ihrer Cousine Monstera im Schlafzimmer an einem Westfenster Gesellschaft und genießt die Abendsonne. Gemeinsam erfreuen sie mich nicht nur mit ihren grünen Blättern, sondern sie verbessern auch das Raumklima, weil sie Schadstoffe – falls vorhanden – aus der Luft filtern.

Diesmal zur Weihnachtszeit

Morgen ist der vierte Advent, und auch in diesem Jahr sieht unser Adventskranz  ein paar Tage vor Weihnachten noch aus wie neu. Er ist so grün wie am ersten Adventssonntag und er nadelt kaum.

Wer schön sein und jung aussehen will, muss bekanntlich leiden. Diese Weisheit aus dem menschlichen Leben gilt wohl auch für Adventskränze. Und so muss unser armer Adventskranz  einiges erdulden, um sein jugendliches Aussehen zu bewahren.  Mein Mann taucht ihn regelmäßig in unsere Regenwassertonne, damit er frisch bleibt. Außerdem verbannt er ihn während der Woche aus dem gemütlich warmen Wohnzimmer in den sehr kühlen, weil ungeheizten Wintergarten. Erst zu Beginn des Wochenendes  holt er den Kranz für zwei Tage aus seinem kühlen Exil hervor – und ab dem vierten Advent  darf er dann im Wohnzimmer bleiben. Ob er sich darüber freut? Oder ob er ahnt, dass seine Zeit  unaufhaltsam zu Ende geht?  Denn nach Weihnachten braucht niemand mehr einen Adventskranz  – auch wenn er noch so gut erhalten ist. Und bis zum nächsten Advent hält ein echter Adventskranz auch bei bester Pflege nicht durch.

 

Draußen im Garten blühen – passend zur Jahreszeit – die Christrosen in Weiß und in Zartrosa. Die letzte richtige Rose ist dagegen fast verblüht – die Rosenzeit ist ja eigenlich schon längst vorbei.

 

Die Himbeere scheint dagegen völlig aus der Zeit gefallen – sie trägt ihre Früchte in diesem Jahr zur Weihnachtszeit. Vielleicht liegt es daran, dass wir den Strauch erst im Frühsommer gepflanzt haben und er seinen Rhythmus noch nicht gefunden hat. Vielleicht profitiert er auch von dem sehr geschützten Standort auf der Südseite des Hauses, direkt neben den Wintergarten.

Das schlechte Wetter und auch die frostigen Nächte im November haben den Früchten, so scheint es, nichts ausgemacht. Sie sind trotzdem rot und reif geworden, können geerntet und gegessen werden. Und zumindest die Farben – Rot und Grün – passen zur (Vor-)Weihnachtszeit.

Pflanzenumzug Teil 2

Langsam wird’s voll im  Wintergarten. Auch den zweiten Teil des Pflanzenumzugs haben wir geschafft. Der Olivenbaum, eine weitere Zitruspflanze, der Drachenbaum und die große Aloe Vera sind gestern aus der Sommerfrische zurückgekehrt. Und mit dem Lavendel ist der Indoor-Kräutergarten jetzt komplett. Die Kräuter fühlen sich hinterm schützenden Glas offenbar sehr wohl. Der Ananassalbei hat sogar noch Blüten bekommen – besser spät als nie – und blüht jetzt mit dem Strauchbasilikum um die Wette. Ich hoffe, dass sie den Winter überleben.

Indoor-Kräuter- und Duftgarten: Lavendel, Zitronenverbene, Strauchbasilikum und Ananassalbei (von links)

Der große Terrassentisch steht ebenfalls wieder im Wintergarten. Die Platte mit dem Mosaik-Muster verträgt nämlich – wie die meisten Zimmerpflanzen – keine Minusgrade. Dringt Wasser zwischen die Steinchen und friert, wird die Platte gesprengt. So bricht  weiches Wasser ja bekanntlich den härtesten Stein bzw.  Beton.

Meist hilft der Nachbar, den schweren Tisch ins Haus und im Frühjahr wieder auf die Terrasse zu schaffen. Doch seit wir entdeckt haben, dass das Prinzip des Rads auch auf runde Tischplatten angewendet werden kann, schaffen wir es auch alleine, sprich zu zweit.

Morgen sind dann noch die Strelitzie und der zweite Drachenbaum an der Reihe. Ob wir die beiden Kiwis – eine männliche und eine weibliche Pflanze, damit sie irgendwann Früchte tragen – ins Haus bzw. in den Wintergarten umsiedeln, steht noch nicht fest: Zwar sind Kiwis im Prinzip winterhart, doch ich bezweifle, dass das auch gilt, wenn sie nicht im Beet, sondern im Topf wachsen.

Auch die beiden letzten Zitruspflanzen müssen vorläufig draußen bleiben. Weil sich auf ihren Blättern hat sich Rußtau breitgemacht hat, ist Quarantäne angesagt. Der Sternrußtau, Schwärzepilz oder Schwarzfleckenkrankheit ist eine unliebsame Begleiterscheinung der ebenfalls lästigen Läuse. Die lieben unsere Zitronenbäumchen heiß und innig und kehren leider immer wieder zu ihnen und zu uns zurück.

Läuse- und Pilzalarm

Ihre zuckerhaltigen Ausscheidungen, Honigtau genannt, locken nicht nur ganze Ameisen-Völker an; sie sind offenbar auch der ideale Nährboden für den Pilz. Er beeinträchtigt die Fotosynthese der befallenen Pflanzen, sodass sie im schlimmsten Fall eingehen. Außerdem breitet sich der Rußtau rasch aus, vor allem wenn Pflanzen dicht an dicht stehen wie im Winterquartier im Wintergarten. Dort wird es wie gesagt langsam eng. Doch für meine Yogamatte ist glücklicherweise noch Platz.

Vom Garten in den Wintergarten

Ein Blick aufs Smartphone heute Morgen und ein weiterer aus dem Fenster aufs Garagendach des Nachbarn haben mir’s verraten: Es ist für die Zimmerpflanzen höchste Zeit, wieder umzuziehen. Eigentlich hätte ich sie gerne noch ein bisschen auf der Terrasse gelassen. Denn das Ende der Sommerfrische bedeutet nicht nur Arbeit für mich, sondern auch, dass es Winter wird

Zumindest einige Pflanzen dürfen schon zurück ins Haus beziehungsweise in den Wintergarten: die Sukkulenten beispielsweise, deren pralle Blätter Temperaturen unter null wahrscheinlich schlecht vertragen, und die kleineren Pflanzen, die ich bequem alleine reinigen und transportieren kann.

Die beiden kleinen Aloe Vera sind in der Sommerfrische gut gewachsen

Die großen Pflanzen, zum Beispiel  Strelitzie, Olive und die meisten Zitronenbäume, müssen dagegen warten, bis mein Mann wieder aus dem hohen Norden zurück ist. Sie sind mir einfach zu schwer oder zu unhandlich. Sollte es in den nächsten Nächten noch kälter werden, bekommen sie eine Haube, die sie hoffentlich vor Minusgraden schützt.

Sie müssen noch draußen bleiben: Olive und Strelitzie

Die Zitronenverbene und der Ananassalbei, die wegen ihres Dufts zu meinen Lieblingen gehören, haben dagegen schon einen frostsicheren Platz im Wintergarten. Und auch unsere beiden Seniorinnen durften schon ins Warme. Wie alt die beiden Osterkakteen sind, wissen wir nicht; wir können es nur ahnen. Wir haben sie nach dem Tod meiner Schwiegermutter vor fast 35 Jahren bei uns aufgenommen – und schon damals waren sie nicht mehr die Jüngsten. Doch es scheint ihnen bei uns zu gefallen. Denn sie blühen jedes Jahr so üppig, dass sie danach völlig entkräftet sind. Jedes Jahr  fürchten wir, dass dieses Mal bestimmt ihr letztes Mal war. Doch immer haben sie uns eines Besseren belehrt und sich nach einer mehrwöchigen Schwächephase wieder erholt.

In all den Jahren haben die beiden übrigens noch nie zur gleichen Zeit geblüht – so, als wollten sie sich keine Konkurrenz machen. Die eine zeigt ihre Blüten immer zu Ostern, wie es sich für einen Osterkaktus gehört, die andere blüht immer um die Weihnachtszeit. Ich habe diesen Osterkaktus daher bislang immer für einen Weihnachtskaktus (Schlumbergera) gehalten. Doch bei der Recherche für diesen Blogbeitrag habe ich gelernt, dass die Blütezeit überhaupt keine Rolle spielt. Entscheidend für die Familienzugehörigkeit ist die Blattform, und die – oval, nicht gezackt – beweist ganz klar, dass beide Schwestern sind und zur Gattung Hatoria gehören. Weihnachtskakteen haben nämlich gezähnte Sprossglieder.

Familie Osterkaktus: Mutter (vorne), Tochter (hinten) und der jüngste Sproß links.

Eine Tochter bzw. Nichte der beiden hat sich unter dem Drachenbaum angesiedelt. Sie ist im Sommer ziemlich groß geworden und wird den Blütenreigen wohl bald eröffnen – vielleicht im Advent. Denn an den Blattspitzen zeigen sich schon  viele kleine Knospen. Und auch eine neue Generation wächst heran. Als ich den Klee entfernt und ein bisschen Erde in den Topf gefüllt habe, ist ein Trieb abgebrochen. Ich habe ihn ins Wasser gesteckt und hoffe, dass der Steckling Wurzeln schlägt.