Rendez-vous im Garten

Sie sind wieder geöffnet, die Gartenpforten in und um Hannover. Im vergangenen Jahr ist die Aktion wegen Corona ausgefallen – in diesem Jahr geht es weiter. Insgesamt 112 Gärten können bis zum 10. Oktober in der Region Hannover besichtigt werden, allein am ersten Juni-Wochenende beteiligten sich 39 Gartenbesitzerinnnen und -besitzer am Rendez-vous im Garten: Sie ermöglichten unter dem Motto „Wissen, das wandert“  Gartenfans wie mir einen Blick hinter den Zaun.

Ich habe am vergangenen Wochenende drei Gärten besucht – alle toll und alle ganz anders, obwohl ja in allen dreien die gleichen Pflanzen blühen. Akeleien zum Beispiel, die zu meinen Lieblingen gehören, Fingerhut, Heckenrosen und Mohn.

Der Garten Schwertmann in der Wedemark, Garten Nummer eins auf meiner Besuchsliste, ist eine gelungene Mischung aus Nutz- und Naturgarten, eine sehr gelungene sogar. Im Gemüsegarten mit mehreren Hochbeeten herrscht eine bewundernswerte Ordnung: Hier steht – wie es sich für einen Nutzgarten gehört – zusammen, was zusammengehört. In Reih und Glied, so wie ich es aus meiner Kindheit kenne, als meine Eltern und meine Oma in unserem Garten noch Kartoffeln, Erdbeeren, Salat und Gemüse angepflanzt haben.

Viel schöner als den Nutzgarten finde ich allerdings den größeren naturnahen Teil des über 1000 Quadratmeter großen Gartens mit Kräuterspirale, einem kleinen Wasserlauf mit Teich, Sumpfbeet, vielen idyllischen Sitzgelegenheiten und einer Gartenlaube, die mein Herz höherschlagen lässt.

Gerne würde ich bleiben, mich irgendwo hinsetzen, mein Tagebuch auspacken und schreiben, aber leider spielt das Wetter nicht wirklich mit: Das erste Wochenende nach dem meteorologischen Sommeranfang ist nicht wirklich sommerlich warm, und wir waren eben leider auch nicht die einzigen BesucherInnen.

Der Garten von Sabine Sundermeyer und Joachim von Kortzfleisch blüht wahrscheinlich erst in den nächsten Tagen richtig auf. Denn um das alte Bauernhaus leben 45 Rosensorten, Stauden, Kräuter und Zwiebelblumen in farblich abgestimmten Beeten – und die Rosenblüte beginnt in diesem Jahr später als in den vergangenen. Ein kleines (Gesamt)Kunstwerk ist der Garten trotzdem, auch weil in den Beeten, im Bienengarten und an den Hauswänden der hannoverschen Künstler Bernd Sidon seine Werke ausstellt. Die sollen nicht fotografiert werden – was die Foto-Auswahl einschränkt.

 

Viel jünger als die beiden ersten Gärten ist Garten Nummer drei. Im Garten Sickau wachsen vor allem Hosta und Stauden, Rosen und Clematis, die leider noch nicht blühen. Pflanzen halten sich eben nicht an (Veranstaltungs)Kalender. Es gibt einen kleinen Kräuter- und Beerengarten, zwei Teiche, lauschige Sitzecken.

Ich bewundere nicht nur die Pflanzen, sondern auch die Dinge, die den Garten schmücken, ihm seinen besonderen Reiz verleihen – die alten Gartenmöbel zum Beispiel, das Fahrrad, das wie vergessen am Zaun lehnt, oder die Echse am Teich. Und wieder einmal wird mir klar: Mir fehlt leider nicht nur der grüne Daumen, sondern auch der Sinn für Dekorationen.

Aber ich gebe die Hoffnung nicht auf – und ich werde mir weiter Tipps und Anregungen holen. Schon an diesem Wochenende, in anderen Gärten, die noch bis Oktober ihre Pforten für Gartenfans wie mich öffnen.

Sieben an einem Teich

Wenn ich derzeit an Seen und Teichen vorbeikomme – und das tue ich ziemlich oft, weil ich seesüchtig bin –, höre ich fast immer lautes, meist mehrstimmiges Gequake. Nur an unseren Gartenteichen ist es still. Das liegt nicht daran, dass sie froschfrei sind, im Gegenteil: Das vergangene Jahr war ein gutes Froschjahr, und weil Frösche ja bekanntlich immer wieder in die Teiche zurückkehren, in denen sie geboren sind, haben wir in diesem Jahr so viele Frösche in unserem Garten wie noch nie. Die Froschzahl pro Quadratmeter Teichfläche dürfte bei uns höher sein als in den meisten anderen Gewässern. Und manchmal befürchte ich, dass uns wegen nicht artgerechter Froschhaltung eine Anzeige droht.

Denn unser Miniteich ist gerade mal 0,7 Quadratmeter klein. Trotzdem saßen dort vor ein paar Tagen sieben Fröschlein einträchtig nebeneinander, Frosch Nummer acht hielt sich ein wenig abseits. Mehr Platz hätten sie in dem Teich direkt daneben. Dort leben nach meiner inoffiziellen Froschzählung nur fünf Frösche – zwei große und drei kleine. Doch trotz der sehr beengten Wohnsituation im kleinen Teich wollen die Jung-Frösche nicht wieder bei ihren Eltern einziehen: Sie bleiben lieber zusammen und in ihrer Jugend-WG unter sich. Vielleicht ist der größere Teich aber auch schon voll besetzt – und ich habe einige Bewohnerinnen und Bewohner nur nicht entdeckt, weil sie sich besser verstecken.

Besonders scheu sind unsere Frösche eigentlich nicht: Die meisten lassen sich nicht stören, wenn ich mich den Teichen nähere, und ungeniert fotografieren. Sie kennen uns wahrscheinlich besser als wir sie – und wissen, dass ihnen von uns keine Gefahr droht.

Obwohl die Frösche schon so lange in unserem Garten leben, weiß ich nur wenig über unsere kleinen grünen Mitbewohner. Ich habe keine Ahnung, wo sie im Frühjahr herkommen und wo sie im Herbst hingehen, weil unsere Teiche nicht tief genug sind, um darin zu überwintern.  Ja, ich kenne nicht einmal ihren Namen. Sind es kleine Teichfrösche (Rana lessonae) oder Wasserfrösche (Rana esculenta)? Beide Arten ähneln sich sehr und sind nur schwer zu unterscheiden. Und sowohl Teich- als auch Wasserfrosch-Männchen quaken angeblich in der Paarungszeit von April bis Juni laut und ausdauernd. Bis zu 90 Dezibel laut kann das Gequake werden, mit dem die Froschmänner ihr Revier markieren, die Weibchen anlocken und ihnen signalisieren, dass sie paarungsbereit sind – so laut wie ein Presslufthammer.

In unserem kleinen Teich wohnt mindestens ein männlicher Frosch. Ich habe ihn an den Schallblasen erkannt, die bei männlichen Teich-und Wasserfröschen etwa dort sitzen, wo bei anderen Tieren die Ohren sind. Je größer diese dehnbaren Ausstülpungen, desto lauter quaken sie.

Warum unser Frosch so still ist, weiß ich nicht. Vielleicht interessiert er sich (noch) nicht für Frauen. Vielleicht hat er als einziger Mann keine Konkurrenz. Vielleicht haben die Frosch-Frauen ihm aber auch klar gemacht, dass sie nicht auf Macho-Gehabe stehen und dass er sich, ihnen und uns sein Gequake ersparen kann.  Vielleicht finde ich es heraus, wenn ich im Sommer öfter am Teich sitze.

Der kleine große Teich

Ganz in Weiß …

…  präsentiert sich unser Garten nicht, aber Weiß ist derzeit doch die dominierende Blütenfarbe.

Geplant war das nicht, denn ich mag weiße Blumen nicht besonders. Außerdem kommt es mir eher auf den Duft und auf den Geschmack an als aufs Aussehen. Wichtig ist bei der Auswahl auch, dass die Pflanzen im Schatten gedeihen. Denn Sonnenplätze sind in unseren Beeten rar – und die meisten sind schon besetzt.

Dem Waldmeister macht es nichts aus, im Schatten zu stehen, im Gegenteil: Er breitet sich immer weiter aus.

Ich freue mich darüber, denn ich mag den Geruch. Seit ich bei einem Kräuteressen erfahren habe, dass nur getrocknete Pflanzen intensiv duften, pflücke ich sie und verteile Blüten und Blätter in Glasschalen überall im Haus. Dem Geschmack kann ich indes nichts abgewinnen – weder als Bowle noch als Waldmeister-Wackelpudding, der bei meinem Mann Kindheitserinnerungen weckt.

Anders als der Waldmeister tun sich die Maiglöckchen in unserem Garten schwer: Ich habe mehrere Anläufe gebraucht, um sie überhaupt in unserem Garten anzusiedeln. Ich habe keine Ahnung, woran es liegt – an den Genen sicher nicht: Denn ich habe die Pflanzen mitsamt Wurzeln im Garten meiner Mutter und im Nachbargarten ausgegraben. Dort standen sie dicht an dicht und breiteten sich, wie es ihre Art ist, ungehemmt aus. Das tun die Maiglöckchen in unserem Garten nicht – im Gegenteil: Sie führen leider eher ein Einzelgängerdasein, obwohl der Standort – halbschattig, unter Sträuchern und Gehölzen – eigentlich stimmt. Doch vielleicht nehmen sie sich ein Beispiel am Waldmeister in der Nachbarschaft. Oder am Dolden-Milchstern, den ich wohl mit den Maiglöckchen importiert habe. Es würde mich freuen.

Wenn die Maiglöckchen blühen, ist die Zeit des Bärlauchs bald vorbei. Die Blätter beider Pflanzen ähneln sich, aber anders als Maiglöckchen ist Bärlauch nicht giftig. Allerdings darf oder soll man seine Blätter nicht mehr verarbeiten, wenn der Bärlauch blüht. In diesem Jahr habe ich es immerhin zweimal geschafft, die Bärlauchblätter zu verarbeiten. Fortsetzung folgt, im nächsten Jahr.

Die Erdbeeren – egal ob Wald- oder Garten – werden wir gewiss alle verarbeiten, sprich: aufessen.

Die Apfelbeeren überlassen wir dagegen weiter den Vögeln, schließlich haben wir den Strauch extra gepflanzt, weil sie die schwarzen Beeren sehr gerne mögen. Bei Menschen waren sie hierzulande weniger beliebt; inzwischen werden die Aroniabeeren, wie sie auch heißen, jedoch als eine Art Superfood angepriesen. Sie enthalten viel Vitamin C, sollen das Immunsystem stärken, antioxidativ und blutdrucksenkend wirken und sogar vor Krebs schützen. Doch bewiesen ist dies laut Verbraucherzentrale nicht.

„Der Verzehr kleiner Mengen frischer oder getrockneter verarbeiteter Aroniabeeren sowie von Saft und Marmelade ist gesundheitlich unbedenklich und kann zu einer ausgewogenen und gesunden Ernährung beitragen“, heißt es auf der Website der Verbraucherzentrale https://www.verbraucherzentrale.de/wissen/lebensmittel/nahrungsergaenzungsmittel/trendbeere-aronia-7899. Allzu viele der schwarzen Beeren sollte man laut Verbraucherzentrale allerdings nicht essen. „In den Kernen der Aroniabeere sind geringe Mengen an Amygdalin enthalten, welches im Körper giftige Blausäure freisetzen kann.“ Mehr als kleine Mengen trägt der Strauch ohnehin nicht, und außerdem sind die Vögel meist schneller. Ihnen schaden die Beeren offenbar nicht – oder sie wissen besser als wir Menschen, wie viel sie zu sich nehmen dürfen.

Anders als die Aroniabeeren  galt Beinwell schon in der Antike als Heilpflanze. Auch Äbtissin Hildegard von Bingen und der Schweizer Arzt und Allchemist Theophrastus Bombast von Hohenheim, genannt Paracelsus, setzten Beinwell ein, um Knochenschäden, Wunden und Geschwüre zu heilen. Letzteres sollte man besser nicht tun, weil Beinwell schädliche Alkaloide enthält. Das Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte (BfArM) empfiehlt daher, Beinwell äußerlich nur bei intakter Haut anzuwenden, innerlich gar nicht. Umschläge mit Beinwell sollen bei Prellungen, Zerrungen und Verstauchungen helfen. „Schwellungen gehen zurück, Schmerzen werden beseitigt“, beschreibt Apotheker M. Pahlow im großen Buch der Heilpflanzen. Genau das, was mein Knie braucht.

Ich werde also Pahlows Rezept befolgen, Beinwellwurzeln ausgraben und daraus einen Auszug bereiten. Vielleicht tun die warmen Umschläge meinem Knie ja gut. Einen Versuch ist es wert – und an Beinwell mangelt es in unserem Garten nicht: Er breitet sich überall aus.

Vom Garten in die Küche

Ja, ich liebe Kräuter, und in unserem Garten wachsen einige – von B wie Bärlauch bis Z wie Zitronenmelisse und Zitronenthymian. Doch bislang habe ich sie nur wenig genutzt – zu wenig. Ich habe mich ehrlich gesagt im Wesentlichen darauf beschränkt, an ihnen zu schnuppern und – wann immer ich an den Pflanzen vorbeigekommen bin – ein paar Blätter, Blüten oder Zweige abzubrechen und in die Tasche zu stecken. Nur ein paar Standard-Kräuter wie Rosmarin, Petersilie, Minze, Schnittlauch und Basilikum kamen bisher gelegentlich oder häufiger in unserer Küche zum Einsatz.

Das soll sich in diesem Jahr ändern – den Anfang habe ich dem Alphabet und der Jahreszeit entsprechend mit Bärlauch gemacht. Der gedeiht nicht nur im Schattenbeet direkt am Zaun zum Nachbargrundstück prima.

Das Essigrezept war einfach: Ich habe den Weinessig (aus biologischem Anbau) mit Bärlauchblättern (ebenfalls biologisch angebaut), Orangenschalen und Akazienhonig angesetzt. Schon nach drei Tagen hat der Essig das Bärlaucharoma angenommen. Optisch überzeugt mich das Resultat allerdings nicht wirklich: Die Bärlauchblätter haben ihre ursprüngliche Farbe verloren. Sie sind nicht mehr grün, sondern eher braun-grün. In etwa zehn Tagen werde ich wissen, ob der Essig besser schmeckt als er aussieht.

Zumindest farblich war an den Bärlauchgnocchi, die ich gestern gekocht habe, nichts auszusetzen: Sie waren hellgrün wie auf den Fotos, die ich im Internet gefunden habe. Außerdem haben sie wirklich intensiv nach Bärlauch geschmeckt. Die Konsistenz der Klößchen hat mich indes nicht überzeugt – zumindest die erste Portion war eindeutig zu dünn und labberig.

Das lag  sicher auch daran, dass nicht nur der Bärlauch in meinem Kochtopf Premiere feierte, sondern dass ich erst zum zweiten Mal selbst Gnocchi hergestellt habe.  Da ist sicher noch viel Luft nach oben – bei Bärlauch, Gnocchi, Essig und auch bei der Köchin. Es ist eben noch keine Meisterin vom Himmel gefallen. Ich werde weiter üben – mit Bärlauch und mit anderen Kräutern.

Blaues Wunder

Manchmal passen Theorie und Praxis scheinbar nicht so recht zusammen. So landete vor ein paar Tagen eine Pressemitteilung über eine internationale Studie der Ökologin Prof. Dr. Anke Jentsch von der Universität Bayreuth in meinem E-Mail-Postkasten. Blaue Blumen, las ich da, gibt’s nur sehr selten. Das ist eigentlich nicht verwunderlich. Für Pflanzen ist es nämlich sehr aufwendig, blauen Blütenfarbstoff zu produzieren.

Wie selten blaue Blumen tatsächlich sind, zeigt eine Auswertung von Daten aus der TRY Plant Trait Database, einer der weltweit größten Datenbanken pflanzlicher Eigenschaften: „Nur sieben Prozent aller Blütenpflanzen weltweit werden vom menschlichen Auge als blau wahrgenommen“, schreibt die Uni Bayreuth. Fast alle blauen Blumen werden von Insekten und Bienen bestäubt. „Unter den Pflanzenarten, die hauptsächlich von Wind und Regen bestäubt werden, gibt es so gut wie keine, die dem Menschen blau erscheinen.“

Und trotzdem habe ich in den vergangenen Tagen und Wochen sehr viele blaue Blumen gesehen – viel mehr als in den vergangenen Jahren. Das liegt sicher auch daran, dass ich zum ersten Mal  zur richtigen Zeit am richtigen Ort war, sprich Ende März auf dem alten Friedhof auf dem Lindener Berg in Hannover. So habe ich das „blaue Wunder“ erstmals in voller Pracht erlebt: Tausende, nein Hunderttausende Scillas sind wirklich ein wunderschöner Anblick. Doch auch an anderen Orten sprießen die blauen Sternchen an allen Ecken und Enden – in den Herrenhäuser Gärten zum Beispiel, im Stadtpark Burgdorf, im Alten Park in Burgwedel und sogar in unserem Garten.

Auch Veilchen, Traubenhyazinthen, Immergrün und natürlich Blaukissen blühen wie mir scheint üppiger denn je – so, als wollten sie uns dafür entschädigen, dass wir in diesem Jahr zu Hause bleiben müssen und nicht in die Ferne reisen können.

 

Die Dichter vergangener Zeiten wären  sicher begeistert gewesen.  Denn die blaue Blume war das Symbol der Romantik schlechthin. So haben Joseph Freiherr von Eichendorff, Adelbert von Chamisso, E. T. A. Hoffmann, Franz Schubert und natürlich Johann Wolfgang von Goethe sie bedichtet und besungen. Und natürlich Novalis. Heinrich von Ofterdingen, Held seines gleichnamigem Romanfragments, begründete den Mythos: Er fühlte sich von einer lichtblauen Blume „mit voller Macht“ angezogen.

Auch Bienen fliegen, so die Studie von Prof. Dr. Anke Jentsch, auf blaue Blumen, wenn auch aus prosaischeren Gründen. Sie nehmen nämlich Farbmuster aus dem ultravioletten Bereich, also Blautöne, besonders intensiv wahr. Für rote Farbtöne sind sie dagegen wenig empfänglich, und auch zwischen Weiß und Gelb können sie nicht gut unterscheiden. Blaue Blumen haben also einen Wettbewerbsvorteil, wenn es darum geht, Insekten und Vögel anzulocken und bestäubt zu werden.

Die Wissenschaftlerinnen befürchten allerdings, dass der Verlust von Wiesen und die Intensivierung der Landwirtschaft auch dazu beitragen, dass der ohnehin niedrige Anteil blauer Blütenpflanzen weiter sinkt – und blaue Blumen fast ganz aus dem Landschaftsbild verschwinden. Genießen wir also Blausterne, Blaukissen, Veilchen und Co, solange es noch geht.

*Für die Studie arbeitet Prof. Dr. Anke Jentsch mit ForscherInnen in Australien, Brasilien, Nepal, Norwegen und den USA zusammen. Die Forschungsarbeiten wurden vom Bundesministerium für Bildung und Forschung im Rahmen des Projekts SUSALPS gefördert.

Gartenblicke im März …

 

… allerdings erst im April. Aber ich schwöre: Aufgenommen habe ich die Fotos wirklich (noch) im März. Ich habe es diesmal einfach nicht geschafft, den Blogbeitrag rechtzeitig zu schreiben und zu veröffentlichen. Aber: Besser spät als nie.

Am Teich wird’s langsam lebendig: Nicht nur, weil Primeln, Osterglocken, Krokusse, Scilla und – darüber freue ich mich besonders – Veilchen blühen. Auch die Frösche sind zurückgekehrt. Oder haben sie sogar in unserem Teich überwintert? Mindestens fünf haben wir schon gesichtet: zwei größere und drei kleine, wohl die Nachzügler aus dem letzten Sommer. Leider wird der Blick auf den Teich derzeit durch den hässlichen schwarzen Kunststoffzaun getrübt, den der Nachbar an der Grundstücksgrenze gezogen hat: Doch es wird hoffentlich bald besser, wenn die Vogelschutzhecke rasch grün wird und ihn verdeckt.

Nicht nur die Heckenrosen am Teich, auch die Rosen in den Beeten habe ich kräftig zurückgeschnitten. Ich hoffe, dass sie es mir nicht verübeln. Die Christrosen verblühen allmählich, dafür bekommen die Pfingstrosen die ersten zarten Blätter. Und auch am Apfelbaum zeigt sich das erste Grün. Es wird noch ein paar Wochen dauern, bis er blüht.

Vor dem Apfelbaum sind die Kirschen an der Reihe, zuerst die süßen, dann die sauren. Und dann dauert es nicht mehr soooo lange, bis wir ernten können. Die Süßkirschen überlasse ich den Vögeln. Weil wir den Baum nicht spritzen, haben die Früchte immer Fleischeinlage. Die Sauerkirschen mögen die Maden zum Glück nicht – und wir können hoffentlich wieder Marmelade einkochen.

Lange haben sie sich geziert, doch in diesem Jahr blühen im neuen Beet neben der Einfahrt die Scillas. Eigentlich zum ersten Mal. Dass ich den Boden umgegraben habe, um den Efeu zu entfernen, hat den Blausternen offenbar nicht geschadet – im Gegenteil. Vielleicht haben sie jetzt in der efeufreien Zone endlich die Freiheit zu wachsen. Vielleicht waren sie aber auch schon in den letzten Jahren da – versteckt unter der dichten Efeudecke. Wer kennt es schon, das geheime Leben der Pflanzen.

Noch ist das Beet kahl, doch insgeheim hoffe ich, dass im Sommer hier ein Sonnenblumenfeld entsteht. Die Vögel haben nämlich die Kernen, die wir ihnen ausgestreut haben, gerne und reichlich gegessen – und die Reste auf dem Beet verstreut.

Winter ade

Im Garten geht die weiße Phase  zu Ende, langsam wird’s  lila. Die Primel am Teich war nach den Schneeglöckchen Anfang Februar die erste Blüte, die sich hervorwagte – selbst, dass sie tagelang unter einer dicken Schneeschicht ausharren musste, hat ihr nichts ausgemacht.

 

Die Blaukissen ließen nach der Schneeschmelze ebenfalls nicht lange auf sich warten. Jetzt verdichten sich die kleinen Kreuzblüten allmählich zu einem lila Kissen; schon bald werden sie  die grüne Blättchen fast vollständig verdecken. Den Lesezwerg freut’s und auch ein erster Schmetterling war schon zu Gast.

Auch ein Krokus kommt selten allein. Sie drängen sich dicht an dicht, zum Beispiel am Teich und unterm Rhododendron . Dort sind auch die ersten Blüten des Kleinen Immergrün (Vinca minor) zu sehen – und der Blaustern (Scilla siberica), der eigentlich Lilastern heißen sollte.

Ich habe die Scillas vor einigen Jahren im brach liegenden Nachbargarten ausgegraben und in unseren Garten importiert. Bis sie aber so dicht stehen wie einst im Garten unserer Nachbarin oder jetzt im Alten Park werden wohl noch Jahre vergehen.

… und im Alten Park

Besonders freue ich mich über die ersten Veilchen. Die Blümchen sind ja angeblich einfach in der Pflege und blühen im Frühjahr üppig und alle Jahre wieder. In unserem Garten tun sie sich bislang jedoch schwer; ich weiß nicht, wie viele Ansiedlungsversuche in den vergangenen Jahren gescheitert sind. Dass ein paar diesen Winter überlebt haben, betrachte ich als gutes Omen. Ich hoffe, dass sie sich weiter ausbreiten – und dass sie mich künftig nicht nur mit ihrem Anblick, sondern auch mit ihrem zarten Duft erfreuen.

Vorfrühling in den Herrenhäuser Gärten

Blumen statt Schokolade! Wo lässt sich das Motto von Susanne Hackel (kräuterwerkstatt) für die Fastenzeit (https://timetoflyblog.com/ziele-fuer-die-fastenzeit) besser umsetzen als in den Herrenhäuser Gärten? Und wann besser als an einem sonnigen Februarsonntag, der – noch im Winter – schon ein richtiger Frühlingstag ist?

Zwar sind die Schauhäuser leider wegen Corona geschlossen, ich kann also nur von außen einen Blick ins Tropen- und ins Orchideenhaus werfen. Schade.

Aber auch draußen im Berggarten blüht es: Winterlinge, Schneeglöckchen und Krokusse vor allem …

… aber auch ein paar Christrosen noch …

… und ein erster Rhododendronstrauch schon.

Der Hamamelis, die japanische Zaubernuss, trägt ebenfalls schon Knospen und Blüten,

Japanische Zaubernuss

meine beiden Lieblingsbäume, die kaukasisische Flügelnuss und die Süntelbuche, sind dagegen noch kahl. Aber nur Geduld, ihre Zeit kommt noch.

Der Moorweiher und die Teiche im Staudengrund waren noch nicht ganz vom Eise befreit …

… im künstlichen Bach fließt noch kein Wasser und die Bachufer im Staudengrund sind noch recht kahl. Aber das ändert sich bald – in ein paar Wochen ist nicht nur der Staudengrund nicht wiederzuerkennen. Egal, wie oft ich den Berggarten besuche – immer wieder zeigen sie ein anderes Gesicht. Die grüne Fortsetzung folgt bald.

Neues Vogelrestaurant eröffnet

 

Ich habe es verpeilt: Obwohl Schneefall und Schneegestöber angekündigt waren, habe ich vergessen, Vogelfutter zu besorgen. Die Meisenstangen, die ich wir noch aus dem vorletzten Jahr hatten, waren abgelaufen – und im Internet kursieren verschiedene Vorstellungen, ob man sie noch verfüttern darf. Ja, schreiben die einen, wenn sie noch nicht ranzig riechen, besser nicht, meinen die anderen.

Also habe ich den Vögeln in unserem Garten heute Morgen fürs Erste eine  Körnermischung aus unserem eigenen Müslivorrat serviert: Fünf-Korn-Flocken, Leinsaat, verschiedene Nüsse und Cranberrys – Letztere in Ermangelung an Rosinen, die ja angeblich einigen Vogelarten gut schmecken. Ich mag weder Rosinen noch Cranberrys. Aber die Geschmäcker sind ja bekanntlich verschieden.

Den neuen Futterplatz haben unsere gefiederten Mitbewohner schnell entdeckt. Kein Wunder, er steht – nur durch einen Maschendrahtzaun getrennt – direkt neben einem alten Baum auf dem Nachbargrundstück, in dem mehrere Vogelfamilien wohnen. Ein verrottender Baumstamm schützt das Futter ein bisschen gegen den verwehenden Schnee.

Das Vogelhaus, das wir mal hatten, ist leider verschwunden – und wegen des Lockdowns können wir im Ort leider auch keins besorgen. Deshalb hat mein Mann kurzentschlossen – selbst ist der Heimwerker – einen zweiten Futterplatz an unserem Holzschober angebracht.

Dessen Dach ist – wenn nicht gerade der Wind den Schnee durch unseren Garten – ein sehr beliebter Vogeltreffpunkt. Jetzt können die Vögel unterm Dach geschützt dinieren – und wir können ihnen von unserem Essplatz in der Küche beim Essen zusehen.

Mein Mann hat seine Kamera am Fenster aufgebaut und steuert die Aufnahmen über sein Notebook. So stören wir Meisen und Co nicht.

Sobald die Geschäfte morgen öffnen ziehe ich los und kaufe frische Meisenstangen – und natürlich stocke ich unseren Vorrat an Hafer- und anderen Flocken, Körnern und Nüssen auf. Denn die schmecken ja offenbar nicht nur uns, sondern offenbar auch unseren Vögeln.

Abschied von der Eberesche

„Zu fällen einen schönen Baum, braucht’s eine halbe Stunde kaum. Zu wachsen, bis man ihn bewundert, braucht er, bedenk‘ es, ein Jahrhundert.“ Dieser Satz von Eugen Roth ging mir gestern nicht aus dem Sinn. Denn während ich unter der Dusche stand, weil ich zu einem Termin musste, fingen die Gärtner an, meinen Lieblingsbaum in unserem Garten zu fällen.

Wie alt die Eberesche war, weiß ich nicht: Sie war schon da, als ich vor über 30 Jahren in das Haus eingezogen bin. Ich habe sie von Anfang an gemocht, vielleicht weil Ebereschen als Bäume der Druiden und Hexen gelten. Den Kelten waren Ebereschen heilig: Sie sollen vor schädlichen äußeren Einflüssen schützen, Intuition und Sinne schärfen, Stärke und Kraft verleihen. Ja, ich gebe es zu: Ich habe, wenn ich im Garten war, oft mit der Eberesche geredet und sie manches Mal umarmt – lange bevor Waldbaden und Bäume umarmen hierzulande Trend wurden.

Meine Zuneigung hat ihr leider wenig genutzt. Seit zwei oder drei Jahren kränkelte die Eberesche, trug deutlich weniger Blätter und Früchte – Letzteres sehr zum Leidwesen der Vögel, die die roten Beeren gerne mochten. Außerdem bekam die Rinde überall Risse und platzte an anderen Stellen großflächig ab. Wir haben lange überlegt, aber nach Rücksprache mit dem Gärtner war das Risiko einfach zu groß, dass der Baum bei einem Sturm umkippen und auf den Wintergarten oder  auf den Fuß- und Radweg stürzen könnte, der an unserem Grundstück entlangführt. Denn der Holzzaun, der unser Grundstück von der Straße trennt, schützt uns zwar vor neugierigen Blicken der Passanten, die aber nicht aber vor umstürzenden Bäumen.

Die Bedenken waren nicht unbegründet, innen hatten jeder Stann ein Loch, das bis in die Erde reichte. Wir hatten also keine andere Wahl, trotzdem konnte ich mich nur schwer von der Eberesche trennen. Ein Span und ein kleiner Scheit liegen jetzt auf meinem Schreibtisch, und vielleicht bastle ich aus dem Holz, das zum Trocknen draußen in unserem Holzschober liegt, ein Amulett oder einen Talismann. Sie sollen dem Träger oder der Trägerin Glück bringen und sie schützen.

Auf jeden Fall werde ich im Garten  eine neue Eberesche pflanzen, wahrscheinlich am alten Platz – für mich und natürlich auch für die Vögel. 30 bis 70 Zentimeter sollen die Bäume angeblich jährlich wachsen. Und vielleicht dauert es ja nicht ganz hundert Jahre, bis ich mich an der Nachfolgerin meiner Eberesche erfreuen und sie wieder umarmen kann.