Osterspaziergang

Sie sind wieder da, die Frösche in meinen Teichen. Der Froschnachwuchs – drei kleine Frösche habe ich bis jetzt entdeckt – hat sich im kleinen Teich angesiedelt. Ein größerer Frosch, Vater oder Mutter?, lebt im größeren Teich. Dort zu überwintern war in diesem Winter, der ja nur kurz und nicht sonderlich heftig war,  sicher kein Problem. Der Teich ist tief genug – zumindest bei kürzeren Frostperioden. Fotografiert werden möchten die Fröschlein nicht. Sobald ich mich den Teichen nähere, flüchten sie ins Wasser.

Die Kirschbäume sind schon fast verblüht, der Rhododendron vor dem Küchenfenster hält sich indes noch vornehm zurück – anders als in den Herrenhäuser Gärten sind hier noch keine Blüten zu sehen. Zum ersten Mal habe ich den Rhododendronhain dort in voller Blüte erlebt.

Und zum ersten Mal habe ich es geschafft, in den Herrenhäuser Gärten zu frühstücken. Das habe ich mir schon lange vorgenommen, aber es dann immer aufgeschoben. Gut, es war ein spätes Frühstück, weil ich zuerst noch Osterhase spielen musste. Aber dann habe ich es genossen, in der Sonne zu sitzen, Kaffee zu trinken und Osterzopf und Ostereier zu essen.

Osterfrühstück im Staudengrund

Der Osterhase hat den Osterspaziergang trotz meines sechswöchigen Schokoladenverzichts zwar überlebt. Gut bekommen ist er ihm allerdings nicht. Er war nach mehrstündigem Aufenthalt in meinem Fotorucksack so dünn geworden, dass er notgeschlachtet werden musste.

Armer Hase …

Apropos Frösche: Durch Zufall habe ich das Froschgedicht von Johann Wolfgang von Goethe entdeckt. Der hat nämlich nicht nur Seriöses geschrieben wie Faust, die italienische Reise oder den Osterspaziergang. Sie wissen schon: „Vom Eise befreit sind Strom und Bäche, durch des Frühlings holden, belebenden Blick …“

Sein Froschgedicht kann man nachlesen unter

https://www.textlog.de/18774.html

Die Frösche an unserem Teich sind, anders als die in Goethes Gedicht,  stumm. Warum sie nicht wie im letzten Jahr um die Wette quaken, weiß ich nicht. Vielleicht haben sie das Gedicht gelesen und üben jetzt heimlich nachts, wenn wir alle schlafen, bis ihr Gesang wirklich dem von Nachtigallen gleicht.

Von Teufelsholz und Flügelnuss

Ja, die blühenden Bäume im Berggarten sind wirklich ein Hingucker, die Zierkirsche direkt hinter den Gewächshäusern im Berggarten zum Beispiel oder auch die Magnolie ein paar Meter weiter. Meine persönlichen Baum-Lieblinge in den Herrenhäuser Gärten sind jedoch zwei Bäume, die sich scheinbar noch im Winterschlaf befinden und noch ziemlich kahl und nackt dastehen. Aber wann immer ich im Berggarten bin, schaue ich bei ihnen vorbei.

Schneeweißchen und rosarot

Die Kaukasische Flügelnuss ist vermutlich nur ein paar Jahre älter als ich. Denn der Baum wurde, wie das Schild an ihrem Stamm verrät, 1955 gepflanzt. Wahrscheinlich hat man damals keinen Riesenbaum durch halb Europa gekarrt – denn einen alten Baum verpflanzt man ja bekanntlich nicht gern.

Meinem Baumfreund hat der Umzug offenbar nicht geschadet. Er ist in seiner neuen Heimat fest verwurzelt  – und in den vergangenen gut 60 Jahren deutlich mehr gewachsen als ich (böse Zungen behaupten, das sei keine Kunst, 1,58 m sei nicht wirklich groß). Bis zu 25 m können kaukasische Flügelnüsse angeblich hoch werden – der Baum am Moorweiher hat diese Höhe schätzungsweise schon erreicht und hat damit wohl die Grenze des Wachstums erreicht.

Vom Nordkaukasus nach Niedersachsen

Der Süntelbuche ging es vor fast 200 Jahren nicht besser als vielen Pflanzen und Tieren heutzutage: Sie wurde fast ausgerottet. Kein Wunder. Denn die Süntelbuchen wachsen nicht, wie es für Rotbuchen üblich und von Waldbesitzern erwünscht ist, gerade in die Höhe, sondern die Äste und Stämme sind verdreht, oft sehr kurz und miteinander verwachsen. Verwerten ließ sich das „Deuwelholts“ – Hochdeutsch Teufelsholz – kaum. Außerdem waren die Bäume den Menschen früher wegen der ungewöhnlichen Form und der Hexenbesen – laut Wikipedia kugelige und buschige Verwachsungen –   unheimlich. Das zeigen Namen wie  Krüppel- oder Schlangenbuche, Hexen- oder eben Teufelsholz für die seltene Rotbuchenart Fagus sylvatica.

Beinahe ausgestorben: die Süntelbuche

Artensterben und das Abholzen von Urwäldern sind also keine neuen Erfindungen. Wir Europäer haben sie schon vor fast 200 Jahren praktiziert. Der letzte  Süntelbuchenwald am Nordhang des Süntels, eines Höhenzugs etwa 50 km südwestlich von Hannover, wurde 1843 abgeholzt. Das Holz wurde verbrannt, das Gebiet zu Weideland, ohne störende Bäume. Vom einst größten Süntelbuchenwald Europas blieben nur einige Bäume erhalten.

Die Süntelbuche im Berggarten wurde um 1880 gepflanzt. Was aussieht wie viele Bäume ist genau genommen ein einziger – die Seitenstämme winden sich über und unter der Erde. Wie schrieb schon Antoine de Saint-Exupery im kleinen Prinzen: Das Wesentliche ist für das Auge unsichtbar. Insgesamt überdacht die Baumkrone laut Infotafel eine Fläche von 750 Quadratmetern.

Mehr dieser im wahrsten Sinne des Wortes urwüchsigen Bäume kann man übrigens in Bad Nenndorf sehen. Die Süntelbuchenallee im historischen Stadtpark ist etwa einen halben Kilometer lang und besteht aus rund 100 Bäumen.

Nicht nur tropisch

Mit Orchideen ist es ein bisschen wie mit Frau aktuell, Frau im Spiegel und anderen Yellow-press-Produkten. Angeblich kauft sie niemand, keine/r liest sie und trotzdem haben sie riesige Auflagen.  Die exotischen Pflanzen – einst Luxusgut – werden inzwischen zuhauf und zu Schleuderpreisen angeboten. Ich bin kein Orchideenfan. Mir sind sie zu wenig grün, zu künstlich. Sie tun mir fast ein wenig leid, wenn sie in Regalen oder auf Fensterbänken in Reih und Glied stehen und auf kahl wirkenden Stengeln ihre prächtigen Blüten nach oben recken.,Und sie erinnern mich immer ein wenig an Zootiere, die in zu kleinen Käfigen oder Gehegen ihr kümmerliches Dasein fristen. Und vielleicht wäre es an der Zeit, sich für die artgerechte Haltung einzusetzen: Statt free Willy free Phalaenopsis – zu Deutsch: Nachtfalterorchidee, eine der am meisten verkauften Orchideenarten – oder free Dendrobium.

 

Freiheit auf der Fensterbank

Eine Ahnung, wie Orchideen in „freier Wildbahn“ aussehen, bekommt man in den Herrenhäuser Gärten. Im Orchideenhaus im Berggarten blühen während des ganzen Jahres etwa 500 und 800 Orchideen, die jeweils schönsten aus der Sammlung von rund 25.000 Pflanzen. Außerdem gibt es im Tropenschauhaus immer wieder Sonderausstellungen, wie zuletzt die Ausstellung „Farbenrausch der Tropen – Südostasien im Berggarten“. Mehr als 600 Vanda-Orchideen, aber auch Dendrobium, Phalaenopsis und die asiatischen Frauenschuhorchideen der Gattung Paphiopedilum leuchteten in allen Farben, von Weiß über Rosa-, Rot- und Gelbtöne bis zu Blauviolett.

 

Orchideen wachsen aber nicht nur in der Tropen, sondern überall auf der Welt, selbst in arktischen Regionen. Bis zu 25.000 verschiedene Arten soll es weltweit geben; in Deutschland sind es rund 90 wild wachsende Orchideenarten. Während die tropischen Orchideen meist auf anderen Pflanzen, zum Beispiel auf Bäumen wachsen, wachsen die heimischen auf dem Boden. Sie sind unscheinbarer, aber nicht weniger hübsch als ihre tropischen Verwandten.

Zur Orchidee des Jahres 2019 hat der Arbeitskreise „Heimische Orchideen Deutschlands“ das Dreizähnige Knabenkraut oder Orchis tridentata Scop. (Neotinea tridentata) gewählt. Die Pflanzen blühen im Mai meist rosa, seltener weiß; sie werden bis 45 cm hoch – und sind wie viele Orchideenarten gefährdet.

Orchideenausstellung in den Herrenhäuser Gärten.

Übrigens. Alle heimischen Orchideen stehen unter Artenschutz. Pflücken oder ausgraben sind also verboten. Wer Orchideen im eigenen Garten haben möchte, kann Arten wie Helm-Knabenkraut, Sumpf-Ständelwurz, das breitblättrige Knabenkraut, die Freiland-Orchidee ‚Formosana‘ oder die Sibirische Frauenschuh-Orchidee im Gartencenter kaufen. Ichwerde das wohl nicht tun. Denn wie gesagt, ich bin kein Orchideenfan.

Bei der Recherche bin ich  auf zwei interessante Websites eines Kollegen und Studienfreunds gestoßen

miramis.de

albiflora.eu