Fressen Frösche blaues Hechtkraut?

Diese Frage habe ich mir immer wieder gestellt, nachdem ich das Pflänzchen, ein Geschenk meiner Tochter, im Juni an den Rand unseres  Teichs gesetzt hatte. Die großen Steine, mit denen ich die Pflanzerde abgedeckt hatte, damit sie nicht weggeschwemmt wurde, avancierten sofort zum Frosch-Lieblingsplatz. Manchmal  saßen, so schien es, die Frösche am Teichrand Schlange, um den Platz zu besetzen, sobald ihr Artgenosse ihn geräumt hatte. Und es hätte mich nicht gewundert, wenn sie, dem Vorbild mancher Urlauber folgend,  Handtücher ausgepackt hätten, um damit den Platz an der Sonne zu reservieren.

Am Anfang war ich misstrauisch. Ich befürchtete, dass die Frösche nicht nur Gefallen, sondern auch Geschmack am blauen Hechtkraut (Pontederia cordata) finden könnten. Die Samen gelten nämlich in Nordamerika, wo die zu den Wasserhyazinthgewächsen (Pontederiaceae) gehörende Pflanze herkommt, als Delikatesse. Sie werden geröstet, gekocht oder auch roh verzehrt und sollen angeblich nussig schmecken. So stand es jedenfalls in dem Gartenteich-ratgeber im Internet (https://www.gartenteich-ratgeber.com/pflanzen/teichrandpflanzen/flachwasserzone/hechtkraut/).

Obwohl die Frösche schon seit Jahren in unserem Teich wohnen, also quasi unsere direkten Nachbarn sind, wusste ich bislang nur wenig über ihre Vorlieben und Essgewohnheiten. Doch die Recherche im Netz zeigte, dass ich mir wohl völlig unnötig Sorgen gemacht – wie so manches Mal in meinem Leben. Denn Froschlarven sind zwar Pflanzenfresser. Weil sie jedoch nur im Wasser leben können, droht von ihnen keine Gefahr. Selbst für sehr gefrässige Kaulquappen ist das Hechtkraut am Ufer unerreichbar. Außerdem ist es inzwischen groß geworden: Die blauen Blüten und die Rispen mit Samen schweben gut einen halben Meter über dem Wasser.

Für Frösche wäre die Entfernung allerdings kein Problem. Denn sie sind wahre SprungkünstlerInnen. Den Weltrekord im Weitsprung hält laut Guinessbuch der nordamerikanische Ochsenfrosch mit 2,18 Metern  (https://www.tierchenwelt.de/funfacts/tierische-rekorde/1569-rekorde-froesche.html), sprunggewaltiger ist aber wissenschaftlichen Studien zufolge aberKuba-Laubfrösche ( Osteopilus septentrionalis), der nur zehn Zentimeter groß ist, aber 1,7 Meter weit springt (https://www.wissenschaft.de/erde-umwelt/froschige-rekorde/) Noch beeindruckender sind die froschigen Hochsprungleistungen, die im Internet kursieren: Ein Ochsenfrosch soll unglaubliche 6,50 m hoch gesprungen sein. Selbst wenn das Fakenews oder Fabelweiten sind und die Sprunghöhen deutlich geringer, müsste ich um das Wohl meines Hechtkrauts fürchten.

Doch glücklicherweise haben Frösche mit Pflanzen nichts mehr im Sinn. Wenn sie das Larvenstadium hinter sich haben und aufs Land umziehen, werden von Vegetariern zu Fleischfressern: Sie ernähren sich vorwiegend von Insekten, Schnecken, Spinnen und Würmern, gelegentlich darf es auch mal ein kleiner Fisch sein, soweit vorhanden. Das dürfen sie gerne. Ihre Nahrung erbeuten sie mit gezielten Sprüngen vom Uferrand ins Wasser. Die Steine unter dem Hechtkraut sind für sie also wahrscheinlich ein bequemer Aussichtsplatz – und ein ideales Sprungbrett.

Vom geheimen Leben der Orchidee

Heute vor genau drei Jahren habe ich zum ersten Mal über sie geschrieben – über die erste und einzige Orchidee, die ich besitze. Sie ist auch die einzige Pflanze, von der ich genau weiß, wann ich sie bekommen – oder soll ich besser sagen übernommen – habe.

Als ich mich am 1. August 2019, am Tag nach ihrem Tod, von meiner Mutter verabschiedete, mochte ich die Orchidee, die ich ihr ein halbes Jahr zuvor geschenkt hatte, nicht in Hamburg zurücklassen. Ich habe sie in die Seitentasche meines Rucksacks gepackt und mit nach Burgwedel genommen, wo ich sie gekauft hatte. Coming home.

Ich weiß nichts über das geheime Leben der Pflanzen. Vielleicht trauern sie ja auch wie Tiere, wenn ihre Besitzer:innen sterben. Die Orchidee sah jedenfalls so traurig aus, dass mich eine Frau im Zug fragte: „Ob die Blume die Fahrt wohl überlebt?“. Sie hat – und sie erholte sich schnell: Schon nach wenigen Stunden öffnete sich die erste Blüte –  für mich war es damals ein Zeichen, dass es meiner Mutter gut ging, wo immer sie auch sein mochte. https://timetoflyblog.com/neues-orchideenleben.

Seitdem steht die Orchidee auf der Fensterbank neben meinem Schreibtisch, neben dem kleinen Bärchen, das meine Tochter meinem Vater irgendwann geschenkt hat und das meine Mutter nach seinem Tod adoptierte. Viel Pflege braucht oder bekommt die Orchidee nicht: Ich gieße sie regelmäßig, aber das genügt oder gefällt ihr sogar. Denn sie blüht zweimal im Jahr, jedes Mal ein bisschen üppiger, wie mir scheint. Diesmal hatte sie 15 Blüten, mehr denn je, und sie breitet sich immer weiter aus. Vielleicht liegt es daran, dass ich sie wachsen lasse, wie sie will. Oder daran, dass ich ihr im Mai einen neuen Topf und frische Erde spendiert habe.

Weil ich keine Orchideenerde hatte, habe ich normale Blumenerde mit etwas Spezialerde für Zitruspflanzen vermischt. Diese Mischung ist der Orchidee scheinbar bekommen. Man sagt, dass Hunde ihren Besitzer:innen oft ähneln. Und irgendwie ist diese Orchidee wie meine Mutter: zäh und anspruchslos