Mehrgenerationenwohnen im Teich

Langsam wird’s eng. Nein, nicht in unserem Haus. Da ist reichlich Platz, seit die Kinder erwachsen und ausgezogen sind. Aber in den beiden Teichen lebt inzwischen eine Großfamilie: Vor ein paar Jahren ist ein Frosch in unseren Garten gezogen;  in diesem Frühjahr sind schon fünf Frösche aus dem Winterquartier zurückgekommen – und es werden immer mehr.

Vier Frösche wohnten zunächst zusammen im und am großen Teich, der nicht wirklich groß ist, einer allein im kleinen Teich, der ziemlich klein ist. Irgendwann ist der Junggeselle in den großen Teich umgezogen – und hat sein Domizil dem Nachwuchs überlassen.

Keine Panik. Die alten Frösche haben sich an die Chaosgärtnerin gewöhnt.

Zur Jugend-WG im kleinen Teichgehören mindestens vier kleine Frösche. Die ganz kleinen – gerade dem Kaulquappen-Stadium entwachsen – leben noch mit ihren Eltern im großen Teich. Gezählt habe ich fünf, wie viele es wirklich sind, weiß ich nicht. Denn zwischen den Blättern der Kleinen Wasserlinse (Lemna minor) sind die kleinen Teichfrösche sind kaum zu sehen. Damit der Froschnachwuchs nicht versehentlich auf dem Kompost landet, verzichte ich derzeit darauf, die Entengrütze abzufischen.

Reichlich Nachwuchs

Was ist, wenn die kleinen Frösche erwachsen sind, weiß ich nicht. Für eine so große Familie sind die beiden Teiche sicher zu klein. Vielleicht müssen wir umbauen und aus zwei kleinen einen großen Mehrgenerationen-Teich machen. Altersgerecht am besten. Und mit Vollpension. Denn Würmer, Maden, Larven und vor allem Schnecken gibt‘s im Garten reichlich.

Vielleicht begeistern sich ja auch einige Jung-Frösche für vegetarische Ernährung und für die Entengrütze, die beide Teiche derzeit in grüne Teppiche verwandelt. Die soll übrigens sehr nährstoffreich und gesund sein –  nicht nur für Tiere, sondern auch für Menschen: Auf einem Quadratmeter können die Kleinen Wasserlinsen mehr Eiweiß und Stärke erzeugen als Sojabohnen. Und auch der Gehalt an mehrfach ungesättigten Fettsäuren und lebenswichtigen Omega-3-Fettsäuren Forschern der Uni Jena zufolge sehr hoch.

Grüner Frosch auf grünem Teppich

In einigen asiatischen Ländern, z. B. in Kambodscha, Laos, Myanmar und Thailand, stehen Wasserlinsen, vor allem Verwandte aus der Familie Wolffia, schon seit Generationen auf dem Speiseplan. Und auch als Heilmittel wird die Lemna minor eingesetzt: Laut Apotheken.de in Europa schon seit alters her innerlich bei Entzündungen der oberen Atemwege, äußerlich bei Gicht und Rheuma,  in der Chinesischen Medizin bei Masern, Ödemen, Gelenkschmerzen, Akne und Hautinfektionen.

Und vielleicht landen die Wasserlinsen ja auch bei uns versuchsweise als Wildgemüse auf dem Teller, wenn die kleinen Frösche der Kinderstube entwachsen sind und kein grünes Versteck mehr brauchen.

Wirklich groß ist der Teich nicht. Unzumutbare Wohnverhältnisse für die Frosch-Großfamilie?

 

Von Männlein im Garten und anderen roten Früchten

Kein Sommer mehr, aber auch noch nicht richtig Herbst. Die Farben im Garten verändern sich: Vom Frühjahr bis zum Sommer dominiert in unserem Garten die Farbe Lila in den verschiedensten Nuancen, jetzt gibt es nur noch einzelne rote Farbkleckse, passend zum Laub, das sich allmählich bunt färbt, bevor es braun wird.

Die Beeren der Eberesche zum Beispiel,

 

oder des Sommers letzte Rose, die ich schon in den Gartenblicken im August gezeigt habe

Ihre Schwestern in den anderen Beeten blühen längst nicht mehr, sondern tragen schon Hagebutten, die echte Rose vor dem Wintergarten ebenso

wie die Heckenrose am Teich, hinter der der  Leuchtturm roter Sand fast verschwindet wie einst Dornröschens Schloss im Märchen.

August Heinrich Hoffmann von Fallersleben hat den roten Früchten ein Kinderlied gewidmet. Dass viele das Männlein, das mit seinem „purpurrothen Mäntelein“ „ganz still und stumm“ im Walde steht, irrtümlich für einen Fliegenpilz halten, ist nicht verwunderlich. Denn allein stehen die Hagebutten bei uns und auch anderswo nicht. Im Gegenteil, es gibt in diesem Jahr besonders viele. Ich könnte sie ernten und daraus Tee aufbrühen. Aber ich zögere, weil ich Hagebuttentee hasse, seit ich ihn bei der einzigen „Kur“ meines Lebens trinken musste. Damals war ich acht oder zehn – seither habe ich Hagebuttentee  gemieden. Vielleicht gebe ich ihm jetzt eine neue Chance. Oder ich koche zum ersten Mal in meinem Leben Hagebuttenmarmelade, die sehr lecker schmecken soll.

Die Trauben werden wir gewiss zu Gelee verarbeiten – die roten ebenso wie die weißen, nach einem Rezept, das wir von der Bekannten bekommen haben. Sie wurde wie ich an der Mosel geboren, kennen gelernt haben wir uns im Harz, wo sie jetzt wohnt und einen wunderschönen Garten hat.

Im Hochbeet hoffen die letzten Tomaten auf ein paar schöne Tage; wenn das Wetter nicht mitspielt, ernten wir sie grün und lassen sie in der Küche in einem dunklen Gefäß reifen und erröten.

Der Lesezwerg wird auch diesen Herbst und Winter draußen verbringen. Seine Kleidung ist im Laufe der Jahre abgeblättert – er ist nackt, bis auf die rote Zipfelmütze, die zwischen verwelktem Blaukissen, Giersch und Rosenablegern hervorblitzt. Was er liest, verrät er nicht, vielleicht ja die Gedichte von Hoffmann von Fallersleben.

Übrigens: Daran, dass Hoffmann von Fallersleben mit seinem Lied wirklich die Hagebutte meinte, besteht kein Zweifel: Er hat laut Wikipedia das Rätsel Jahre später in einer Extra-Strophe aufgelöst:

„Das Männlein dort auf Einem Bein,
Mit seinem rothen Mäntelein
Und seinem schwarzen Käppelein,
Kann nur die Hagebutte sein.“

Die Strophe wird  auf ausdrücklichen Wunsch des Dichters nur gesprochen – und kommt auch in Engelbert Humperdincks Oper Hänsel und Gretel nicht vor. Hoffmann von Fallersleben war auch nicht der erste, der die Hagebutte besungen hat: Schon in einem Retherbüchlein (Rätselbuch) aus dem 16. Jahrhundert ist sie Wikipedia zufolge des Rätsels Lösung. https://de.wikipedia.org/wiki/Ein_M%C3%A4nnlein_steht_im_Walde